Priester bis zum Sterbebett
Bruchsal (bert). Fast 50 Jahre war er Seelsorger der katholischen Gemeinde St. Maria Heidelsheim, am Montag ist Pfarrer Paul Kallenbach im Bruchsaler Krankenhaus gestorben. Am 8. Mai wäre der Pensionär, der noch im März Gottesdienst gehalten hat, 87 Jahre alt geworden.
Kallenbach ist in Bruchsal aufgewachsen, gehörte im Dritten Reich zur Jugendgruppe Christopher, die von den Nazis verboten wurde. Er war im Krieg, kam in Gefangenschaft und begann 1945 mit dem Theologiestudium. 1951 wurde er zum Priester geweiht. Nach Vikarstellen in Aglasterhausen und Offenburg kam er 1959 nach Heidelsheim, wo ihm gleichzeitig auch die Pfarrei St. Sebastian Helmsheim übertragen wurde.
1980 war er maßgeblich am Bau der neuen katholischen
Kirche nebst Gemeindezentrum in Heidelsheim beteiligt. Es folgten der Kindergarten St. Martin und die Restaurierung der Helmsheimer Pfarrkirche. Doch auch auf seelsorgerlichem Sektor war Paul Kallenbach engagiert und geschätzt. Von der
Stadt Bruchsal wurde er mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet, die Erzdiözese Freiburg ehrte ihn mit dem Titel „Geistlicher Rat".
„Pfarrer Kallenbach war nicht allein wegen seines ungewöhnlichen Äußeren ein Original", würdigte Dekan Wolfram Stockinger den Verstorbenen. Auch dessen lockere, liebenswerte und gesellige Art habe er sehr geschätzt. Außerdem sei der Pfarrer ein wandelndes Geschichtslexikon gewesen.
Daran erinnerte auch Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Bannholzer: Kallenbach habe über ein fotografisches Gedächtnis verfügt, so dass er etwa bei der Restaurierung des Bruchsaler Schlosses allein aus der Erinnerung habe wesentliche Hinweise geben können. Doch eindrücklicher war für Bannholzer etwas anderes: „Pfarrer Kallenbach war Priester bis zuletzt. Auf dem Sterbebett hat er uns noch eine Predigt gehalten."
BNN 16.4.2008
„Original mit prophetischer Ausstrahlung"
Pfarrer Paul Kallenbach wurde gestern mit langem Trauerzug zur letzten Ruhestätte gebracht.
Bruchsal-Heidelsheim (pit). Eine große Trauergemeinde begleitete den am vergangenen Montag verstorbenen früheren katholischen Ortsgeistlichen, Pfarrer Paul Kallenbach, auf dem Weg zu seiner Ruhestätte in einem Ehrengrab auf dem Heidelsheimer Friedhof. Nach einer würdevollen Trauerfeier in der Pfarrkirche St. Maria folgte der lange Trauerzug, angeführt von einer Abordnung des Musikvereins, dem Sarg, vorbei am Pfarrhaus und der Martinskirche, durchs Stadttor und über den Marktplatz zum Friedhof.
In dem von Dekan Wolfram
Stockinger gemeinsam mit den Pfarrern Edgar Neidinger, Erwin Bertsch, Claus Bohnert und Manfred Helfrich sowie Diakon Michael Loesel zelebrierten Requiem wurde die Person und das Wirken des Verstorbenen besonders gewürdigt.
„Pfarrer Kallenbach war ein Original mit prophetischer Ausstrahlung", beschrieb der Dekan den 49 Jahre in Heidelsheim wirkenden Geistlichen. Begegnungen mit ihm seien immer von einer besonderen Art gewesen.
Mit Pfarrer Paul Kallenbach verlieren wir einen Seelsorger, der unserer Jugend ein Freund, den Erwachsenen Vorbild und Ratgeber und Kranken Tröster und Helfer war", sagte Oberbürgermeister Bernd Doll. Der Geistliche sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen, der nur mit seinem wechselnden Äußeren, das ihm den Touch des schöngeistigen Intellektuellen gab, sein Erscheinungsbild nach persönlichem Gusto änderte. „Im Inneren war er jedoch beständig und vor allem seinem Glauben und seiner Überzeugung treu", so der Oberbürgermeister. Pfarrer Kallenbach habe weit mehr getan, als nur seine tägliche seelsorgerische Pflicht. „Der Stadt hat er etwas von ihrer eigene Geschichte und Identität zurückgegeben", sagte Bernd Doll. Respekt- und liebevoll habe man Paul Kallenbach als wandelndes Geschichtslexikon mit einem fotografischen Gedächtnis bezeichnet, dessen profunden Geschichtskenntnisse immer wieder beeindruckten. Wer bei Veranstaltungen neben ihm saß, sei an seinen Kommentaren nicht vorbeigekommen, so dass man manchmal vom Hauptredner gar nichts mitbekam, „denn Paul Kallenbach hatte sich jeweils an dein Ohr geklemmt", schilderte Doll persönliche Begegnungen mit dem Heidelsheimer Ortspfarrer.
BNN 19.4.2008