Streifzüge durch die Heidelsheimer Gemarkung
(Aus der FESTSCHRIFT zu den 5. Heidelsheimer Heimattagen vom 7. - 9. Juli 1979)
Nach Aufzeichnungen unseres verstorbenen Ehrenbürgers Otto Härdle
Die Besiedlung
Begehung der Gemarkungsgrenze
Die Bodengestalt
Die Bodenbeschaffenheit
Flurbereinigung
Alte Verkehrswege
Gewässer
Der Bürgerwald
Der Wald heute
Der Schwur vom Rehdichwald (Mundartprobe)
"O Täler weit, o Höhen"
Die heimatliche Gemarkung ist neben dem engeren, bewohnten Raum ein wesentlicher Bestandteil dessen, was wir Heimat nennen.
Dichter und Sänger besingen in ihren Versen und Liedern nicht nur die "alten Häuser, Gassen und Winkel", sie lassen ihre Saiten auch erklingen in hellen Lobgesängen über Wald, Feld und Wiese,
Quelle und Bach, die Dorf und Stadt umgeben.
Sie erfreuen Herz und Gemüt und alle unsere Sinne, denn Erde und Wasser, Berg und Tal, Baum und Blume der heimatlichen Flur können uns viel erzählen.
Wir wollen auf kleinen Wanderungen und Spaziergängen ihren Geheimnissen nachspüren. Zunächst gilt es jedoch in kurzen Zügen ein Bild der heimatlichen Flur zu zeichnen.
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Als sich unsere frühen Vorfahren, die Alemannen und nach ihnen die Franken, vor etwa 1500 Jahren
in unserer Gegend seßhaft machten und die Wohnplätze für ihre Sippen festlegten, taten sie dies unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten. So entstanden die Markungen oder Gemarkungen.
Inmitten einer langgestreckten Talmulde und in der Nähe des lebensnotwendigen Wassers bauten sie ihre Wohnungen und dehnten ihren Lebensraum aus bis auf die umgebenden Höhen am Rand der Talmulde.
Durch Rodungen drängten sie den Wald zurück auf die Höhen. Dieser gewonnene Zustand hat sich im wesentlichen erhalten bis in unsere Zeit, so daß Heidelsheim noch heute von einem grünen Kranz lieblicher Wälder umgeben ist.
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Begehung der Gemarkungsgrenze
(Karte der Gemarkung)
Es ist eine reizvolle Aufgabe, besonders für die Jugend, einmal die ganze Gemarkung zu umschreiten.
In früheren Jahrhunderten gehörte es zu den Pflichten junger Bürger, an einer "Grenzbegehung" teilzunehmen, damit sie jederzeit Zeugnis ablegen konnten über den Verlauf der Gemarkungsgrenze.
Dieser alte, zugleich aber auch schöne Brauch wird mit dem 5. Heidelsheimer Heimatfest am 7. Juli 1979 wieder eingeführt. Mit den notwendig eingelegten Pausen ist die Begehung der 21 km langen
Gemarkungsgrenze eine kleine Tageswanderung. In kurzen Abständen sitzen die Gemarkungs- oder Grenzsteine mit den Ortszeichen oder Wappen der angrenzenden Orte, mit der Jahreszahl ihrer Setzung und der fortlaufenden Nummer.
Die Numerierung begann in alter Zeit beim Hochgericht oder Galgenbuckel und verlief von hier gegen Süden in Richtung Scheckenbronner Hof. An den Punkten, wo die Gemarkung eines Nachbarortes
beginnt bzw. endet, steht jeweils ein Grenzstein von besonderer Größe, ein Dreimärker.
Ein Dreimärker von solch besonderer Größe, zugleich der älteste Grenzstein, steht im hinteren Rettig, am Obergrombacher Weg. Er trägt die Jahreszahl 1612. Der Stein wurde also vor dem 30jährigen Krieg
(1618/48) gesetzt. Hier stoßen die Gemarkungen von Heidelsheim, Helmsheim und Obergrombach zusammen.
Insgesamt müßten heute 367 Grenzsteine und 7 Dreimärker stehen. Tatsächlich sind jedoch viele dieser Steine untergegangen, wurden
beschädigt oder entfernt. Nach und nach sind diese Steine, die ein Stück Geschichte darstellen, wieder zu ersetzen. Der Anfang wird mit der Grenzbegehung am 7. Juli 1979 gemacht, bei der drei neue
Grenzsteine mit dem Zeichen HH und der Jahreszahl 1979 trotz Eingliederung nach Bruchsal gesetzt werden. Die Heidelsheimer Gemarkung ist nicht untergegangen. Dies soll so bleiben. Zur
lebenslangen Erinnerung an die Grenzsteinsetzung 1979 werden die teilnehmenden Jungbürger mit ihrem Hinterteil gegen den Stein gestoßen.
Die Gemarkungssteine tragen zu den benachbarten Gemarkungen hin heute folgende Numerierung:
1. Gemarkungsgrenze Heidelsheim - Bruchsal ab Dreimärker Heidelsheim Bruchsal - Obergrombach (Nr. 1) bis
zum Dreimärker Heidelsheim (HH), Bruchsal (BR), Unteröwisheim (UÖ) (Nr. 1), Nrn. 2-82, 7-3 und 83/2 bis 95.
2. Gemarkungsgrenze Heidelsheim - Obergrombach ab Dreimärker HH - BR - OG (Nr. 1) bis Dreimärker HH - OG - Helmsheim (HE) (Nr. 47) Nrn. 100, 99 und 28-46.
3.
Gemarkungsgrenze Heidelsheim - Helmsheim ab Dreimärker HH - OG HE (Nr. 47) bis Dreimärker HH - HE - Neibsheim (NH) (Nr. 97), Nrn. 48-60 und 16-96.
4. Gemarkungsgrenze Heidelsheim - Neibsheim ab Dreimärker HH - HE NH (Nr. 97/1) bis Dreimärker HH - NH - Oberacker (OA) (Nr. 282), Nrn. 56 bis 53 und 249-281.
5.
Gemarkungsgrenze Heidelsheim - Oberacker ab Dreimärker HH - NH OA (Nr. 282) bis Dreimärker HH - OA - Münzesheim (MÜ) (Nr. 296), Nrn. 283-295).
6. Gemarkungsgrenze Heidelsheim - Münzesheim ab Dreimärker HH - OA MÜ (Nr. 296) bis Dreimärker HH - MÜ - UÖ (Nr. 1), Nrn. 297 bis 342.
7.
Gemarkungsgrenze Heidelsheim - Unteröwisheim ab Dreimärker HH MÜ - UÖ (Nr. 1) bis Dreimärker HH - UÖ - BR (Nr. 1), Nrn. 2-27, 33-15 und 46-54.
Bei der Grenzbegehung, die übrigens früher mit allerlei Bräuchen und Handlungen verbunden war,
können wir feststellen, was schon eingangs erwähnt wurde, daß die Gemarkungsgrenze auf dem Höhenrücken verläuft, der unser Städtchen umgibt, abgesehen von den zwei Stellen, wo die Grenze
das Saalbachtal überquert, das ist gegen Helmsheim und gegen Bruchsal, bei der Bärenmühle.
Bis in das 17. Jahrhundert war der Grenzverlauf gekennzeichnet durch Bäume mit Markierungen,
sogenannte "Lochbäume", ausgenommen die sogenannten Dreimärker. Da die Beständigkeit der Baummarkierung begrenzt war, erfolgte die Grenzmarkierung nur noch durch Grenzsteine, so daß die
meisten Grenzsteine Jahreszahlen des 18. Jahrhunderts aufweisen.
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Die breite Talmulde des Saalbachs und die sanft, da und dort auch steiler ansteigenden Hänge des
Hügelrandes, ferner die kleinen Seitentäler der Zuflüsse sind Merkmal und Gerüst der heimatlichen Flur oder Gemarkung. Durch die Flurbereinigung der letzten Jahre sind die durch menschliche Arbeit
entstandenen Terrassen, die dem ganzen Kraichgau das Gepräge geben, meistens verschwunden.
Die Zahlen der Höhenmessung sagen jedoch mehr aus als viele Worte. Die Kirche als Ortsmittelpunkt
liegt 138 m ü. d. M. Die höchste Erhebung der Gemarkung, der Wolfmannsberg beim Scheckenbronner Hof aber mißt 246 m ü. d. M. Er überragt also weit die 50 m hohe Kirchturmspitze.
Der Grenzweg, auch "Hohe Straße" genannt, eine ehemalige Römerstraße an die Gemarkungen von Neibsheim, Oberacker, Münzesheim und Unteröwisheim grenzend - verläuft als Waldweg
durchgehend in einer Höhe von über 200 m. Er endet am Spiegelberg mit 217 m Höhe. Von ihm aus hat man einen prächtigen Ausblick über die Rheinebene, hinüber zu den Pfälzer Bergen, zu den Vogesen und zu den Anfängen des Schwarzwaldes.
Die tiefsten Punkte der Gemarkung hat natürlich der Saalbach selbst geschaffen. Der von Maulbronn herkommende Bach betritt unsere Gemarkung bei 141 m Meereshöhe und verläßt sie an der
inzwischen abgebrochenen Bürenmühle bei 125 m. Der Höhenunterschied beträgt somit 16 m. Sein Gefälle wird nur durch die zahlreichen Schleifen und Windungen etwas gemildert, was wiederum ein saftiges Wiesengelände begünstigt.
Aus der Saalbachmulde führen zahlreiche Verkehrswege hinauf auf die höher gelegenen Gemarkungsteile, mitunter 100 m Steigung überwindend. Dies ist nur möglich durch tief
eingeschnittene Hohlwege, die in langen Zeiträumen durch die Kraft des Wassers - Regengüsse - und durch menschliche Arbeit entstanden. Sie sind wie die Terrassen typisch für den Kraichgau. An ihren
fast senkrechten Wänden, oft über 10 m hoch, gewinnen wir einen guten Einblick in die Beschaffenheit und den Aufbau des heimatlichen Bodens. Hier hat sich auch eine reiche Flora und ein mannigfaltiges
Tierleben entwickelt. Leider hat auch hier die Flurbereinigung vieles vernichtet. Die bemerkenswertesten, noch erhaltenen Hohlwege sind die Große Hohl, die Hasenberghohl und die Gekelter Hohl, zum Teil auch die Posthohl.
Verschwunden sind die Münchberghohl, die Lehlberghohl, die Kreuzweghohl, die Staighohl, die Balzenberghohl und einige andere kleinere, enge Hohlwege.
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Wie im ganzen Kraichgau ist auch Heidelsheims Flur mit einem dicken Lößmantel bedeckt, der an
manchen Stellen in den schweren Lößlehm übergeht. Der Löß ist eine Zusammensetzung von feinen, mehlartigen Mineralien, bei Trockenheit sich in feinen Staub, in Regenzeiten in klebrigen,
kalkhaltigen Lehmschlamm sich verwandelnd. Die Geologen nehmen an, daß vor Jahrtausenden riesige Sandstürme das Urgestein mit diesem Löß überdeckten. Der Lößboden gilt als ein warmer,
fruchtbarer, der Lößlehm hingegen als kalter, schwerer Boden.
So bietet unsere Flur durch ihre Bodengestalt und Bodenbeschaffenheit günstige Voraussetzungen für
die Landwirtschaft. Der Wald wirkt wie ein vollgesaugter Schwamm und speist die vielen Quellen mit Wasser und sorgt durch seine Kühle für Durchlüftung. Das Saalbachtal und seine Nebentäler geben
genügend Raum für saftige Wiesen. An den warmen Südhängen, wie im Altenberg und Stubenmehl, im Neuenberg und Sonnenberg, am Kreuzweg und Gekental und an anderen sonnigen Hängen
gedeihen Reben, Niederobst und Beerensträucher vorzüglich. Der Heidelsheimer Wein hat einen guten Ruf und eine über tausendjährige Geschichte. Man darf annehmen, daß römische Siedler hier
die ersten Reben pflanzten. Die Grundmauern eines römischen Gutshofes wurden im Altenberg ausgegraben. Der Kraichgau zählt zu den wärmsten Landschaften unseres Vaterlandes.
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In der Nähe des Scheckenbronnner Hofes, an der Staig, hinter dem Steinwäldle, liegt ein ganz neuer
Hof. Es ist ein Aussiedlerhof, einer der acht, die in den letzten Jahren entstanden sind. Die anderen Höfe liegen am Weitenberg (4) und am Hohberg (3). Die Modernisierung der landwirtschaftlichen
Betriebe und die damit zusammenhängende Flurbereinigung haben sie notwendig und auch lebensfähig gemacht.
Die Eingriffe der Flurbereinigung haben das Bild der heimatlichen Flur stark verändert. An Stelle der unzähligen schmalen Äcker und Grundstücke sind große, einheitlich bepflanzte Flächen
entstanden. Terrassen, Hänge und Hohlen wurden eingeebnet, Bäume, Hecken und Gebüsch größtenteils beseitigt. Aus der einst buntscheckigen Landschaft wurde eine großflächige, einförmige,
zweckbestimmte Flur, die Tier- und Pflanzenwelt stark in Mitleidenschaft gezogen hat, so daß man von einer Verarmung des Landschaftsbildes sprechen kann. Manche Idylle mußte wirtschaftlichen Notwendigkeiten geopfert werden.
Durch Teilnehmerbeiträge und Staatszuschüsse wurde das Wege- und Gewässernetz auf unserer Gemarkung völlig neu geordnet. Allein das befestigte Feldwegenetz hat eine Länge von ca. 72 km. Neu geschaffen wurden weitere Reb- und
Obstgemeinschaftsanlagen. Großflächig zu bewirtschaftende Grundstücke erleichtern die Arbeit und erhöhen den landwirtschaftlichen Ertrag.
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Unsere heimatliche Flur war in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt ein Teil des von den Römern besetzten Zehntlandes. Es lag hinter dem im Osten errichteten, befestigten Grenzwall, dem Limes. Fest gefügte Straßen verbanden die römischen Heerlager am Rhein und Neckar mit den vorgeschobenen Lagern am Limes. Diese Straßen verliefen in der Regel auf den Höhenrücken.
Grenzweg
Eine solche alte Heeresstraße kam von Stettfeld, wo sich ein römisches Lager befand, herauf über den Spiegelberg und zog weiter auf dem bewaldeten Höhenrücken, entlang unserer östlichen Gemarkungsgrenze. Daher hat dieser Grenzweg von altersher den Namen "Hohe Straße". Dem Spiegelberg mit seiner freien Aussicht nach Westen kam offenbar eine größere Bedeutung zu. Aus seinem Namen kann man schließen, daß von hier aus Feuer- und Lichtsignale gegeben wurden, die weithin sichtbar waren.
Kreuzweg
Ein anderer alter Verkehrsweg führte über die Posthohl - der Name sagt es und den Kreuzweg nach
Obergrombach - Weingarten - Durlach, wobei wahrscheinlich der Turmberg bei Durlach ebenfalls ein Glied in der Kette der Signalstationen gewesen sein mag. An diesem Verkehrsweg pflanzten die
Heidelsheimer 1648, 1697 und 1871 drei Linden als Friedenslinden, im Gedenken an die Friedensschlüsse nach dem 30jährigen Krieg, dem Orleans'schen und dem deutsch-französischen
Krieg 1870/71. Ein 1978 errichteter, von Steinmetzmeister Egon Stadelwieser gestalteter Gedenkstein erinnert inzwischen daran.
Handels- und Heerstraße
Nach der Besetzung unseres Landes durch die Alemannen und die Franken und infolge der
fortschreitenden Entwicklung der Verkehrsmittel bedienten sich unsere Vorfahren mehr und mehr der natürlichen Verkehrswege, entlang den Flüssen. So wurde das Saalbachtal allmählich zur wichtigsten
Verkehrsstraße, die den Kraichgau durchquerte. Es ist die große Handels- und Heeresstraße - heute Bundesstraße 35 - die von Brüssel, von Rhein und Main über Bruchsal und Bretten nach Augsburg und
weiter nach Innsbruck und Verona führt. Da auf ihr häufig Kaiser und Könige bei ihren Zügen nach Süden sich bewegten, sprechen die Geschichtsschreiber auch von einer "Kaiserstraße". Hierin liegt
auch der Grund, daß unsere Stadt - 1241 erstmals nachweisbar zur Reichsstadt erhoben wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgte die Stadterhebung bereits unter Kaiser Barbarossa 1160.
Auf dem Galgenbuckel oder Hochgericht überschritt diese Straße Heidelsheims Gemarkungsgrenze. Der hochragende Galgen sollte dem fahrenden und reisenden Volk ein unmißverständliches Zeichen
sein, auf welchem Instrument man Gesetzesübertretern zum Tanz aufspielen würde. Das letzte Blutgerichtsurteil, das hier im Jahre 1702 gefällt und vollstreckt wurde, ist im Rathaus aufbewahrt. Eine
Ablichtung davon ist im Heimatmuseum im Stadttor zu sehen.
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Schwallenbrunnen
Diese Straße zieht aber auch vorüber an dem von Geheimnissen umhüllten Wasser des Schwallenbrunnens. In Sagen und Geschichten wird erzählt von seiner unheimlichen Tiefe, von der merkwürdigen Klarheit und Temperatur seines Wassers, vom ungeklärten Ursprung seiner Quellen, vom Wallen und Schwellen in seiner Tiefe - daher auch der Name - von Tragödien und Katastrophen und vom lockenden Ruf seiner Wassernixen. "Im Schwallenbrunnen wohnte die Saalbachnixe früher, lockend manchen in die Tiefe, der nicht mehr kam herfür" stand einst auf einer steinernen Tafel eines alten Hauses in Bruchsal.
Saalbach
Wir sind bei den Gewässern der heimatlichen Flur angelangt. In kleinen und größeren Windungen und
Bögen schlängelt sich der Saalbach durch das breite Tal, gesäumt von Pappeln, Erlen und Weidenbüschen, bei den Mühlen sich verzweigend, über Wehren und Schwellen stürzend, Straßen
und Eisenbahn unterquerend. Manches liebliche Bild ist da von Malern und Photographen zu erhaschen. Wiederholt aber wurde dieses friedlich dahineilende Bächein zum reißenden, seine Ufern
überflutenden Strom. Davon berichten nicht nur alte Schriften, sondern auch die Hochwassermarken in der Bahnhofstraße (heute Merianstraße) und in der Wettgasse. Das "Hochwasser" des Jahres 1978 ist noch in bester Erinnerung.
Der Ursprung des Saalbaches liegt oberhalb von Maulbronn und bildet beim Kloster den Maulbronner See. Der Bach mündet nach etwa 35 km langem Lauf bei Philippsburg in den Rhein. Während er beim
Eintritt in unsere Gemarkung ein breites Tal vor sich hat, rücken beim Austritt die Hügel so nahe zusammen, als wollten sie ihm den Durchgang verwehren. Er muß einmal salzhaltiges Wasser mit sich
geführt haben und hieß auf den ältesten Landkarten Salzbach. die ausgegangene Siedlung bei Bretten, Salzhofen, und die verschwundene Saline in Bruchsal deuten ebenfalls darauf hin.
Während seines Laufes auf unserer Gemarkung empfängt der Saalbach von allen Seiten Zufluß. In unserer heimatlichen Flur rinnt und rieselt es aus zahlreichen Quellen und in vielen Wasseradern. 26
Quellen sind es, die wir auf unseren heimatkundlichen Gängen aufspüren können. Sie liegen alle ringsum am Fuß der Hügel. Ihre Namen entsprechen in der Regel den Flurnamen.
Quellen
Die Quellen sind nicht leicht zu finden und nicht einmal alle auf der amtlichen Gemarkungskarte
aufgeführt. Irgendwo am Waldrand oder am Fuß eines Raines quillt es. Aber die Wolfmannsbergquelle am Nordostrand des Scheckenbronner Hofes gibt ihr Versteck schnell preis. Über einer Erdspalte
wölben sich die breiten Kuppeln zweier Eichen, die üppig grünen. Zu ihren Füßen quirlt und murmelt eine Quelle. Anders dagegen das Hungerbrünnlein am Weg zum Münchberg, das einem Neubaugebiet
weichen mußte. Es hat seinem Namen entsprechend eine eigene Geschichte. Ein Sprüchlein auf einem vom OWK errichteten Stein erklärt das Geheimnis: "Läuft das Brünnlein bis zum Mai, fehlt es
nicht an Brot und Heu". Es wäre schön, wenn dieser Stein, der bei Erschließung des Baugebiets "Hühnerberg" weichen mußte, bald wieder an geeigneter Stelle errichtet werden könnte.
Von eigener Art sind die Quellen, die sich stolz Königseebrunnen nennen. Sie liegen im Wald hinter dem Königsee, in alten Schriften sogar "Königlicher See" genannt. Man sucht freilich vergebens nach
einem See. Was man heute noch davon sieht, ist eine Waldblöse oder eine Waldwiese, etwa 150 m lang, 100 m breit, durchzogen von einem Wassergraben, aber von ganz besonderem Reiz. Es ist auch
leicht zu erkennen, daß das Rinnsal einen künstlich errichteten Damm durchbricht.
Ohne Zweifel war hier einmal das Wasser für einen See gestaut. Seine Geschichte reicht in die
Frühzeit Heidelsheims zurück. Bevor Heidelsheim zur Reichsstadt erhoben wurde, hatte auch das Kloster Maulbronn, gegründet im 12. Jahrhundert, hier Güter. Nach der Sage haben die Maulbronner
Mönche diesen See für ihre Fischzucht angelegt. Der Mönchsberg, nicht weit vom Königsee, spricht ebenfalls für den Besitz und das Wirken von Mönchen in jener Zeit.
Am oberen Ende dieses Quellgebiets steht ein Naturdenkmal, die "Laubige Eiche", ein mächtiger Baum, dessen Alter einige Jahrhundert betragen dürfte. Interessant ist, daß sich am unteren Lauf des
rasch dahineilenden Bächleins ein Forellenzüchter niederließ, im Volksmund Fischweiher genannt. Und ein paar hundert Meter weiter, bevor das Wasser sich in den Saalbach ergießt, hatten zwei
Heidelsheimer Bierbrauer zwei Eiswiesen eingedämmt.
Auf ihnen tummelte sich einst Heidelsheims Jugend im Schlittschuhlauf. Das Eis aber führten die
Bierbrauer in ihre in den Winterberg hineingetriebenen großen Eiskeller. Es muß Eis von besonderer Güte gewesen sein, stammte es doch vom "Königlichen See".
Auf der linken Saalbachseite wären noch zwei Quellgebiete besonders zu erwähnen. Der Stadtgraben, der die Altstadt schützen sollte, wurde vom Nottenbächlein gespeist. Aber auch die zwei
fließenden Stadtbrunnen der Marktbrunnen und der Ratsbrunnen erhielten ihr Wasser vom Nottenbächlein. Das Wasser dieses Bächleins kam aus mehreren Quellen, zuoberst vom Aubrunnen
und der Scheckenbronnerhofquelle, von der schon genannten Wolfmannsbergquelle, vom Kindlesbrunnen und einigen anderen kleinen Quellen.
Die andere ergiebige, linksseitige Quelle ist der Stalzbach. Er versorgte den Stadtgraben zwischen
Bruchsaler Tor und Judentor mit Wasser. Später wurde diese Quelle gefaßt und eine Privatwasserleitung für die Bruchsaler Straße gebaut. Das war im Jahre 1875. Den Hauptanteil der
Wasserversorgung der Stadtbewohner hatten aber weiterhin die Quellen des Nottenbächleins zu leisten. Zunächst geschah dies durch eine Holzteuchelleitung. Im Jahre 1905 wurde das Wasser dieser
Quellen im neu erbauten Wasserreservoir zusammengeführt und durch eine eiserne Wasserleitung in die Stadt und in die Häuser geleitet.
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Den größten Reichtum besitzen die Heidelsheimer in ihren ausgedehnten Wäldern. Wie ein Wall
umgeben und umschirmen sie das Städtchen nach Osten, Süden und Norden. Der kurpfälzische Oberförster sah sich im Jahre 1721 zu dem Lobe veranlaßt: "Die Wälder sind dermaßen schön mit
alten klaftrigen und halben klaftrigen und jungen aufwachsenden Glattbuchen bewachsen, daß also in weiter Umgegend keine schönere Waldung von Buchholz zu finden ist."
Der Heidelsheimer Wald nimmt etwas mehr als ein Drittel der ganzen Gemarkung ein. Es sind heute etwa 625 ha. Mit diesem Verhältnis wird Heidelsheim nur von wenigen Kraichgaugemeinden z. B. von
Bretten, erreicht oder gar übertroffen. Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden ist der Heidelsheimer Wald jedoch ausschließlich Eigentum der Stadt und seiner Bürger weshalb mit Stolz
auf die Gemarkungsgrenzsteine des Waldes zu anderen Gemarkungen hin Bgw. HH - Bürgerwald Heidelsheim - geschrieben wurde. Dieses Zeichen, über das schon viele auswärtige Wanderer gerätselt haben, ist noch heute zahlreich anzutreffen.
Im Osten liegt der Große oder Alte Wald mit Eulenbuckel, Horn, Loch, Hornbuckel, Schrotten-Klinge, Dattenberg und Tanzplatte, ferner in den Wasser-Erlen, im Königseebrunnen, im langen Backen, im
Ballacker und Astberg. In der Mitte liegt, von Feldern umgeben, das Schelter-Wäldchen. Durch das breite Saalbachtal getrennt, schließen sich im Südwesten das Steinwäldchen, der Vordere und Hintere
Rettig und das Hofwäldchen an. Die Größe der Waldfläche hat sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert. Verändert hat sich jedoch der Baumbewuchs. Man muß annehmen, daß der Wald früher
stärker von Eichen durchsetzt war. Für den Hausbau, der im Mittelalter viel mehr Holz in Anspruch nahm, wurden immer nur Eichenstämme angefordert und bewilligt. Außerdem spielte die
Schweinemast eine Rolle. Im 18. Jahrhundert wird geklagt, daß der Bestand an Eichen immer mehr zurückgehe, da die Eicheln für die Schweinemast verwendet wurden.
Den größten Wert für die Gemeinde hatte der Wald in Gestalt des Bürgernutzens oder Bürgergabholzes. Dieses Recht kann seit 1967 nicht mehr neu erworben werden. Damals wurde durch
Landesgesetz bestimmt, daß der Bürgernutzen nur in Gemeinden mit weniger als 3000 Einwohnern beibehalten bleiben kann.
Ein weiteres Recht besteht jedoch weiter, die Holzlese. Auch durfte in schlechten Zeiten das Laub als
Streu und die Bucheckern zur Ölgewinnung eingesammelt werden. Genaue Zeiten wurden dafür festgelegt um das Wachstum des Waldes nicht zu sehr zu behindern.
Über die Waldrechte wachte die Bürgerschaft mit Eifersucht. Sie wußte zu genau, daß aus einem Einzelfall sich leicht ein Gewohnheitsrecht entwickelte, und scheute deshalb auch nicht vor
Gewaltanwendung zurück, wenn es galt, Übergriffe der Landesherrschaft gegen den Bürgerwald abzuwehren.
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Der Heidelsheimer Wald ist heute nach wie vor "Gold wert". Gerade die allgemeine Energieverknappung macht dies deutlich.
Aber nicht nur Brennholz, sondern auch wertvolle Nutzhölzer werden produziert. Seinen besonderen Wert hat der Wald als natürlicher Wasserspeicher und als Erholungsgebiet für die Bürgerschaft und für
zahlreiche Wanderer aus nah und fern. Gerade für die Naherholung wurde in den letzten Jahren sehr viel getan. Über 40 km Wanderwege wurden geschaffen vom Odenwaldklub mit viel Liebe
ausgeschildert. Ein Trimm-Dich-Pfad - bei der Tanzplatte beginnend - ist genauso vorhanden wie ein Grillplatz auf dem Astberg und ein Waldspielplatz bei der Tanzplatte.
Bewirtschaftet wird der Wald derzeit von Forstamtmann Willi Bauer. Ihm ist es zu verdanken, daß der Wald nach wie vor auch mit selbst gezogenen Pflanzen neu bepflanzt und eine Beförsterung
durchgeführt wird, die auch den nächsten Generationen den Reichtum Wald erhält. Denn der Wald ist eines der teuersten Kleinodien, die unser Volk besitzt. Dieses Kleinod zu pflegen und zu hegen wird
und muß stets Aufgabe und Aufforderung sein.
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Der Schwur vom Rehdichwald (Mundartprobe)
Die Heidlsa un die Hemsama hen e mol wegaram Rehdichwald gschdridde. Die Hemsama hen gsagt,
er gherd ehna, un die Heidlsa hen gsagt, noi, uns gherda. Dann ischs so weit kumma, daß vun Bredda d'Omtsvawaldung kumma gmißt hat. Zura bschimda Schdund hen die Heidlsa un die Hemsama
Ortsbeherda an da Rehdich kumma gmißt. An da Poschdhohl isch da Schutthaufa gwest. Do hen sich die Heidlsa in d'Schuh Erd nei, un unna da Hut en Schöpfa ohne Schdiel. Wu d'Vahandlung ferdich
gwäst isch, hense schwere gmißt. Un si hen g'schwore: "So wahr der Schöpfer über unserm Haupte ist, stehn wir auf Heidlsa Erd!" Dann hat de Omtsrichda gsagt: "Donnn g'herd halt da Rehdichwald de Heidlsa!"
P. M.
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"O Täler weit, o Höhen"
(Merianstich von 1654)
Als der berühmte Städtezeichner Merian vor über 300 Jahren einen geeigneten Standort für ein Bild
der ummauerten, ehemaligen Reichsstadt Heidelsheim suchte, begab er sich auf den Sonnenberg.
So entstand jenes Bild, das uns heute kostbarer Besitz ist und ohne das unsere Vorstellungen vom alten
Heidelsheim doch nur sehr mangelhaft wären. Es zeigt uns, wie sie einst waren, bevor der Feuersturm des Jahres 1689 sie vernichtete: Das Wendeltor, der Diebsturm, der alte Kirchturm, das alte Mitteltor und die St. Martinskirche.
Wer einen anderen Gesamtblick über Flur und Stadt gewinnen möchte, der wandere durch das
Rebgelände hinauf zum Hauslaib (229 m) oder durch die Große Hohl hinauf zum Dattenberg. Von dort sieht er das über 1200jährige Heidelsheim mit seinem Hügelsaum und den Talöffnungen flußaufwärts und
flußabwärts. Wessen Blick aber auch das Land weiter draußen sucht, der besteige durch die Gekelter Hohl den Spiegelberg, um einzustimmen in von Eichendorffs Lied: "O Täler weit, o Höhen, du schöner, grüner Wald . . . . ."
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