Aus der FESTSCHRIFT zu den 5. Heidelsheimer Heimattagen vom 7. - 9. Juli 1979:
Zum Gedenken an
Ehrenbürger Rektor i. R. Otto Härdle
Otto Härdle wurde am 3. 9. 1900 als Sohn des Heidelsheimer Ratschreibers Karl Härdle geboren. Bereits nach dem Besuch verschiedener Schulen verließ er als junger Mann seine
Heimatstadt. Als Lehrer war er anschließend an mehreren Orten tätig, zuletzt als Rektor in der Tullaschule in Karlsruhe, wo er 1965 in den Ruhestand versetzt wurde. Obwohl von seiner Heimatstadt entfernt, gehörte Otto Härdles ganze Liebe
dennoch seinem Heidelsheim. Immer wenn er Zeit hatte, fing er seine Heimat in Bildern ein, "durchstreifte" alle Straßen und Gassen, erforschte alle Ecken und Winkel, erstieg alle Türme, lugte zu Fenstern und "Löchern"
hinaus, späte nach Inschriften und Zeichen, ging auf die umgebenden Höhen, wanderte durch Feld und Wald, zu Quelle und Bach, umschritt die ganze Gemarkung, durchstöberte Archive und Bibliotheken. Otto Härdle kannte die Geschichte eines
jeden alten Heidelsheimer Hauses und aller eingesessenen Familien wie keiner sonst. Den Höhepunkt seines Schaffens dokumentiert sein an Ostern 1960 erschienenes Buch "Heidelsheim - Geschichte und Bild der ehemaligen Reichsstadt".
In Anerkennung dieser seiner Verdienste ernannte ihn der Heidelsheimer Gemeinderat noch im gleichen Jahr zum Ehrenbürger, die höchste Auszeichnung, einer Stadt, die zuvor in Heidelsheim noch niemand erhalten hatte.
Zum Heidelsheimer Heimattag 1962 hat er ein historisches Schauspiel geschrieben, das zum
Thema "die Belagerung der Freien Reichsstadt vor 500 Jahren" hatte. Auch bei der 1200-Jahrfeier im Jahre 1970 hat Otto Härdle entscheidend mitgewirkt. Das Festbuch stammt aus seiner Feder und den
historischen Umzug hat er mitorganisiert. Viele alte Heidelsheimer Sitten und Gebräuche lebten durch ihn damals wieder auf. Wie viele Festreden hat er bei Vereinsjubiläen gehalten? Wenn das Heidelsheimer Stadtbild im wesentlichen erhalten
blieb, alte Fassaden wieder restauriert wurden, so ist dies nicht zuletzt sein Verdienst. In der Urkunde zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts steht geschrieben: "Sein Name wird für alle Zeiten mit der
Erforschung, Verfassung und Drucklegung der Geschichte unserer Stadt verbunden bleiben!".
Am 14. 9. 1978 war Otto Härdle wie so häufig in
seiner Heimatstadt. Er besuchte u. a. nochmals die Friedenslinden, bei denen wenige Tage vorher auf seine Initiative hin ein Gedenkstein errichtet wurde. Auf der Heimfahrt nach Karlsruhe verunglückte er mit
seinem Auto kurz vor seiner Wohnung. Er mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo er, scheinbar auf dem Wege der Besserung am 24. 9. 1978 in den frühen Morgenstunden starb. Die Nachricht vom
Tode Otto Härdles verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Heidelsheim. Niemand konnte sie zunächst glauben.
Jetzt ist Ehrenbürger Otto Härdle bereits ein Stück Heidelsheimer Geschichte. Heidelsheim, aber auch
viele umliegende Ortschaften des Kraichgaus haben ihm als Heimatforscher viel zu verdanken.
S. M. / P. M.