Text vom 8. Februar 1956 Zeitung? Nummer 32
Diamantene Hochzeit in Heidelsheim 1956
Heute vor 60 Jahren - am 8. Februar 1896 - schlossen der damals 25jährige Heinrich Walter und die um sechs Jahre jüngere Maria Barbara Metzger die Ehe.
Es wurde ein Lebensbund daraus, der die beiden weit über ein halbes Jahrhundert hinaus in Freud und Leid gemeinsam den Weg durch das mehr oder weniger bewegte Zeitgeschehen gehen ließ. Wieviel ereignete sich doch in diesen 60 Jahren und wie interessant erzählen die beiden Jubilare von den Erlebnissen ihrer Jugendzeit. Heinrich Walter kann noch in diesem Monat, am 24.2.1956 sein 85. Lebensjahr vollenden. Er, wie auch seine Ehefrau, ist körperlich noch außerordeutlich rüstig, verfügt über ein ausgezeichnetes Gedächtnis und nimmt am gegenwärtigen Geschehen regen Anteil. So stand er erst im vergangenen Jahr beim Feuerwehrjubiläum als Altersveteran und Ehrenmitglied in vorderster Front und wurde für seine 65jährige Mitarbeit ausgezeichnet. Der Freiwilligen Feuerwehr galt immer seine besondere Sorge und das nicht von ungefähr, denn sein Großvater, Georg Walter, war der 1. Kommandant der Heidelsheimer Wehr. Auch ein Brand in den siebziger Jahren, den Heinrich Walter als kleiner Bub miterlebte, haftet noch lebendig in seinem Gedächtnis. Ebenso anschaulich erzählt er von dem Zugunglück von 1879, als auf der damals noch eingleisigen Strecke kurz vor Heidelsheim ein Personen- und ein Güterzug zusammenstießen und die Buben die aus einem Waggon gefallenen Käseballen über die Wiesen rollten.
Er wird nicht nur als an Jahren und Dienst ältester Feuerwehrmann geehrt, sondern auch als der älteste
Frontkämpfer. Mit Stolz erzählt er vom 2. Badischen Grenadierregiment Kaiser Wilhelm I. Nr.110 in Mannheim, wo er von 1891 bis 1893 gedient hat. 1897 folgte die erste Reserveübung beim 5. Infanterie-Regiment in Freiburg, 1900 die
zweite bei den 111er in Rastatt und als 44jähriger zog er in den Weltkrieg, war 38 Monate in Rußland und zuletzt noch bei der Kronprinzenarmee im Westen. Seine große Liebe galt immer den heimatlichen Wäldern. Von Beruf
Maurer, fand er draußen in der Natur Erholung, heute noch kennt er buchstäblich jede Blume und jedes Blatt und ist glücklich, wenn er in den Wald spazieren kann. Frau Maria hat ihm immer treu zur Seite gestanden und acht Kindern
das Leben geschenkt. Drei davon starben sehr früh, von den fünf Lebenden - 3 Söhne und 2 Töchter - ist ein Sohn in Rußland vermißt. Mit 13 Enkeln und 10 Urenkeln können die diamantenen Hochzeiter ihr seltenes Fest feiern. Wir
wünschen ihnen weiterhin einen friedvollen und gesegneten Lebensabend.
Bild aus Familienbesitz von A. Schütz 2001