Weinbau in Heidelsheim – Ein geschichtlicher Abriss

Heidelsheim gilt als junge Weinbaugemeinde, weil der Anbau von Reben andernorts früher bestätigt ist, z.B. für Eichelberg im Jahre 1002, aber auch weil die örtliche Winzergenossenschaft erst 1948 gegründet wurde. Sieht man aber genauer hin, so unterscheidet sich Heidelsheim kaum von den übrigen Weinbauorten im Kraichgau. Spätestens für 1256 sind Reben am Ort nachgewiesen, als Dekan und Domkapitel von Speyer den großen (Halmfrüchte) und kleinen (sonstige Feldfrüchte) sowie den Weinzehnt käuflich erwarben. Noch heute steht bei der Kirche im Zentrum die Zehntscheune, die nach dem Stadtbrand 1689 mit Keller und Kelter in 1706 wieder errichtet wurde.

Wein hatte über Jahrhunderte bei der ländlichen Bevölkerung die Funktion eines Volksnahrungsmittels. Die Weinproduktion war bei uns nahezu ausschließlich am Eigenkonsum orientiert. So verwundert es nicht, dass nach einem Plan von 1877 die Rebflächen über die ganze Gemarkung verstreut lagen. Neu auftretende Rebkrankheiten, zuletzt die Reblaus führten hier zu einem enormen Rückgang an Rebflächen von 270 Morgen 1771 auf 30 Morgen 1921. Die Kultivierung der so genannten Hybriden, Kreuzungen amerikanischer Wildreben mit Europäerreben, erwiesen sich als Sackgasse. Die weißen „Amerikaner“ und die roten „Franzosen“ trugen sogar zur weiteren Verbreitung der Reblaus bei. Dem Verbot und der Zwangsrodung dieser Reben folgte 1941/42 in Heidelsheim eine Gemeinschaftsanlage mit Ruländerreben. In Bruchsal inhaftierte Wehrmachtsangehörige gruben dazu das Gelände am Altenberg drei Spaten tief um.

Jetzt hatten die Heidelsheimer qualitativ ansprechenden Rebe aber keinen Absatz für den Wein. In dieser Zeit soll manches Gespann schneller durch den Ort gefahren sein als zu „trockenen“ Zeiten. In dieser Situation wurde 1948 die örtliche Winzergenossenschaft ge- gründet, die sich umgehend dem seit 1935 bestehenden Winzerkeller Wiesloch anschloss. Der Wein wurde am Ort gekeltert und der Saft nach Wiesloch verbracht. Vermutlich anfangs der 60er Jahre erwarb die Genossenschaft von der Raiffeisenbank die Dreschhalle am Reitschulweg und baute dort eine eigene Kelter ein.

Einen weiteren Aufschwung nahm der Weinanbau durch die Flurbereinigung, die weitere ca. 38 ha Rebfläche auf nach Süden bzw. Südwesten ausgerichteten Hängen auswies, so dass jeder interessierte Grundeigentümer einen Weinberg erhielt. Im Jahr 1969 waren somit 51,5 ha mit Reben bestockt.

Hatte die Heidelsheimer Genossenschaft zu besten Zeiten 200 Mitglieder so sind es derzeit ca. 90, die Zahl der Traubenanlieferer ist auf 35-40 gesunken. Die Rebfläche beträgt aktuell ca. 41 ha, die sich auf 323 Parzellen verteilen. Diese Veränderung gibt den sozialen Wandel der letzten Jahrzehnte wieder. Die jüngeren Generationen sind der Landwirtschaft und dem Weinbau entfremdet, geben den Weinbau auf. Drehten sich früher die Gespräche auf der Straße oder im Verein um Stand und Entwicklung der Reben und des Weins, so ist heute z.B. die Bundesliga Thema. Diese Entwicklung wird etwas aufgefangen durch passionierte Feierabendwinzer, vor allem aber durch Neben- und Haupterwerbsbetriebe, die Flächen brauchen, um die Kosten der zwingend notwendigen Mechanisierung aufzufangen.

War Heidelsheim über Jahrzehnte bekannt für seinen Altenberger Ruländer, so wird diese Rebe heute als Grauburgunder kultiviert und ausgebaut. Bevorzugte Rebsorten sind folglich Grauburgunder mit 26,2 ha, Spätburgunder 7,2 ha, Müller Thurgau 3,7 ha und Weißburgunder 1,7 ha. Diente früher die Ertragsregulierung durch den Winzer dazu, Übermengen zu vermeiden, so wird sie heute zur Qualitätsverbesserung eingesetzt. So nimmt der Winzerkeller im Normalfall maximal 120 kg Trauben pro Ar ab, bei den so genannten Selektionsanlagen höchstens 60-70 kg/Ar, obwohl je nach Sorte mehr als 160 kg/Ar Ertrag möglich wären.

Valentin Gölz