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Bodenfunde im Gewann Altenberg bezeugen Besiedlung in der Jüngeren Steinzeit und Bronzezeit.
Zwei Grabhügel (Hünengräber) aus der La-Tene-Zeit im Altenbergwald oder Eulenbuckel. Im Altenbergteich und in den benachbarten Gewannen Funde und Ge- bäudefundamente aus der Römerzeit als Nachweis eines römischen Guts-
hofs. Die Alemannen verdrängen die römische Besatzung und die Kelten aus dem Gebiet zwischen Neckar und Rhein. Nach der Sage erbaut Heydolf, ein germanischer Herzog, "Heidolfesheim
sich zum Stuhl" und gab diesem Ort seinen Namen, aus dem sich der Ortsname Heidelsheim entwickelte. Unter Konstantin d. Gr. wird nach der Sage die erste christliche Kirche in Heidelsheim erbaut.
Nach derselben Sage zerstört der Hunnenkönig Attila (oder Etzel) auf sei- nem Zug nach dem Westen diesen Ort. Die Franken dringen in den Kraichgau ein und verdrängen die Alemannen.
Ausgedehntes Gräberfeld und zahlreiche Bodenfunde auf dem Martins- berg (Friedhof) und bei der Sennighohl sind Zeugen einer geschlossenen Siedlung in der alemannisch-fränkischen Zeit. Diese Funde und die Tat-
sache, daß die Ortskirche früher auf dem Friedhofsberg stand, begründen die Annahme, daß Heidelsheim einst auf dem Martinsberg lag. Die Flur hinter dem Friedhof heißt heute noch "Hinter der Kirche".
Hamathio, ein Franke, schenkt dem Kloster Lorsch alle seine Güter und 30 Hörige. Diese Urkunde im Codex Laureshamensis ist die erste und älteste Beurkundung des Ortes Heidolfesheim.
In sechs weiteren Urkunden des Lorscher Codex wird Heidelsheim im Kraichgau und Anglachgau genannt. Das Kloster Weißenburg besitzt drei Höfe in Heidelsheim.
Herzog Otto entreißt dem Kloster Weißenburg 68 Höfe, darunter einen in Heidolfesheim. Hugo de Heydolfesheim im Urkundenbuch des Klosters Hirsau erwähnt. Die Hohenstaufen, seit 1152 auf dem deutschen Kaiserthron, erheben
mehrere Orte links und rechts des Rheins zu Reichsstädten, darunter vermutlich auch Heidelsheim. Das Kloster Maulbronn erhält eine Stiftung aus Heidelsheim.
Im Steuerregister des Reiches wird Heidelsheim unter den Reichsstädten aufgeführt: Älteste, bekannte Urkunde für Heidelsheim als Reichsstadt. Der Bischof von Speyer erwirbt von den Herren von Remchingen den
Zehnten und das Pfarrsatz recht, vorher im Besitz des Grafen von Eber- stein. Henricus ist decanus und scultetus, d. i. kaiserlicher Vogt, in Heidelsheim.
Kaiser Rudolf von Habsburg bestätigt den Ort als "Unsere Stadt Heidels- heim". Altenberg und Auf der Staig als älteste Flurnamen, der Bürger Gerhard als ältester Familienname genannt.
Die Klöster Maulbronn und Herrenalb haben Besitzungen in Heidelsheim. Heidelsheim als schwäbische Reichsstadt genannt. König Heinrich VII., auf einem Kriegszug in Italien, verpfändet "Unsere
Stadt" an Graf Konrad von Vaihingen und Markgraf Rudolf IV. von Baden, wodurch der Status als Reichsstadt nicht aufgehoben wird. Ältestes erhaltenes Stadtsiegel mit dem Reichsadler, heute noch Stadt-
wappen: Schwarzer Adler mit rotem Schnabel und roten Klauen auf gol- denem Grund. Stadtfahne schwarz-gelb. Pfalzgraf Ruprecht I. erwirbt die Stadt als Reichspfand für 4000 Pfund Heller.
Die Stadt hat 3 Mühlen: Ober-, Mittel- und Untermühle. Um diese Zeit Erweiterung der Stadt durch die Vorstadt mit dem weiträumigen Markt- platz. Kaiser Ludwig der Bayer nennt Heidelsheim "Unsere und des Reiches
Stadt". Heidelsheim wird neben Heidelberg und Bretten als die bedeutendste Stadt der rechtsrheinischen Kurpfalz genannt. Ludwig vom Stein wird in diesem Jahr als Schultheiß erwähnt.
Die verpfändete Stadt gehört infolge Erbverträgen halb zur Markgrafschaft Baden, halb zur Kurpfalz. Dyethrich von Angelachen, Schultheiß. Die Stadt darf von jedem durchfahrenden Lastwagen Wegegeld erheben.
Claus Sifrit, Schultheiß. Der Heidelsheimer Hermann Heilmann wird Rektor der Universität Heidel-
Markgraf Bernhard von Baden, Pfalzgraf Ludwig und Sohn und einige
Ritter als Statthalter Württembergs beschließen in Heidelsheim einen Bund auf gegenseitige Hilfe. Mehrere Fürstentage finden in Heidelsheim statt. Pfalzgraf Ludwig III. löst den badischen Anteil an der verpfändeten Stadt
für 10 000 Gulden ein. Streitigkeiten zwischen Baden und der Kurpfalz um die verpfändete Stadt dauern an. Johannes Schweed, Schultheiß. Turm der Martinskirche auf dem Friedhof erbaut.
Das Hospital der Stadt (Pfründnerhaus, heutiges Rathaus) hat umfang- reichen Besitz in mehreren Orten des Kraichgaus. Der Kurfürst v. d. Pfalz, "Pfälzer Fritz" genannt, verteidigt erfolgreich die
Stadt gegen die Heere von Baden, Württemberg und Metz und nimmt die drei Fürsten in Heidelberg gefangen: "Mahl zu Heidelberg" von Gust. Schwab.
Baden verzichtet auf die Stadt: Heidelsheim wird damit endgültig kur- pfälzischer Besitz. Alljährlich durchziehen große Kaufmannszüge auf ihrem Weg zu den großen Messen in Frankfurt die Stadt.
Der älteste, noch erhaltene Familienname: Bauer, erstmals erwähnt, ihm folgt 1492 der Familienname Wolf. Dr. Hieronymus Bock, ein Heidelsheimer, reformatorischer Pfarrer, Arzt
und bedeutender Botaniker geboren. In Hornbach 1554 gestorben. Verlagerung der Pfarrkirche von der St. Martinskirche auf dem Friedhof in die Kapelle "Unserer lieben Frau" in der Altstadt.
Die aufständischen Bauern des Bruhrains unter Jost Fritz von Grombach wollen sich der Stadt bemächtigen. Eberhard Pellendorf ist Schultheiß. Treue der Stadt im bayerisch-pfälzischen Krieg gelobt, Schützengilde er-
hält Auszeichnung: jährlich zwei Gulden "Schußvorteil", als Rechtsan- spruch bis ins 19. Jahrhundert noch in Kraft. Dr. Hieronymus Gerhard, württembergischer Vizekanzler, bedeutender
Jurist in den Auseinandersetzungen der Reformation, in Heidelsheim ge- boren, 1574 gestorben in Stuttgart. Sein Vater ist Mitglied des Rats und Gerichts. Turm des Judentors erbaut. Das Tor steht bis 1844.
Der erste Jude, Salomon von Wimpfen, ein Arzneikundiger, erhält vom Kurfürst Aufenthaltsgenehmigung in der Stadt. In der Folgezeit entsteht eine blühende jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge und Judenbad.
Im Bauernkrieg plündert der Bauernführer Eisenhut mit seinen Haufen die Stadt. Nach ihrer Niederwerfung werden zwei Bauernführer auf dem Marktplatz enthauptet.
Die Heidelsheimer bekennen sich zur Reformation Martin Luthers. Wiedertäufer tauchen in Heidelsheim auf. Mit ihnen erstmals der Familien- name Metzger.
Das älteste, noch vorhandene "Weistum" der Stadt, das die wichtigsten Rechtsbestimmungen der Stadt und ihrer Bürger enthält, niedergeschrie- ben. Wendeltorturm erbaut, steht bis 1833.
Philipp Newreut gen. Bacher,Schultheiß. Die Heidelsheimer beschlagnahmen wiederholt die Zehnterträgnisse wegen Vernachlässigung der Kirchenbaupflicht durch den Bischof von Speyer.
Die Bürger verlangen einen Pfarrer "der neuen Religion". Diese Jahreszahl ist eingemeißelt im ehemaligen Hirtenhaus, Zehntgasse Nr. 17, somit ältestes Hauszeichen.
Erbauung des Kirchturms an der Südseite der Lieb-Frauen-Kirche auf dem Merian-Bild zu sehen. Judengasse als ältester Straßenname genannt. Die Familiennamen Amend,
Dietz, Doll, Manz und Zimmermann erstmals schriftlich erwähnt. Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz nimmt persönlich in Heidelsheim die Huldigung der Stadt entgegen. Christof Neuberger, Schultheiß.
Erstmals ein Schulhaus erwähnt, stand als ehemaliges Diakonatshaus am Kirchplatz, an der Stelle des späteren reformierten Schulhauses, erbaut 1717, in Benutzung bis 1887.
Neben dem Hospital bestand das Armenspital, das in mehreren Orten Güter besaß. Außerdem gab es ein Gutleuthaus außerhalb der Stadt. Philipp Merzig, ev. Stadtpfarrer. Jakob Ursinus, ev. Stadtpfarrer.
Älteste, bekannte Zählung weist 247 Haushaltungen aus, d. s. etwa 950 Einwohner, mit einem Gesamtvermögen von 167 900 Gulden. Zwei Schildwirtschaften .,Zum Christoffer" und "Zum San Sebastian" als
älteste Gasthäuser erwähnt, dazu eine Schankwirtschaft "Zum Schaf" und eine Badstube mit Schankerlaubnis am Bruchsaler Tor erwähnt, Badgasse. Zwei Selbstmörder werden auf dem Hochgericht unter dem Galgen be-
graben. Michael Ritter als Bürgermeister erwähnt. Familiennamen Pabst erstmals erwähnt. Die älteste Bürgerliste enthält 194 Bürger mit 158 Familiennamen, von denen sich nur neun bis in unsere Zeit lebendig erhielten.
Heidelsheim hat für das "Fähnlein" des Amtes Bretten 195 wehrfähige Männer zu stellen: 1 Fendrich, 3 Führer, 3 Spielleute, 1 Feldscherer, Zimmerleute, Schützen, Hellebarder, Langenspießer und Federspießer.
Peter Daum als Schultheiß erwähnt. Rathaus in der Vorstadt auf dem Platz des heutigen Schulhauses erbaut mit Turm, Bürgerglocke, Uhr, großem Bürgersaal, Fleisch- und Brotbän-
ken. Mitteltorturm oder Rathaustor erbaut mit 4 Dacherkern. M. Joh. Krey, ev. Stadtpfarrer. Johann Eckhardt als Schultheiß erwähnt. Beschwerde beim Kaiserlichen Kammergericht, weil das Domkapitel Speyer
seiner Baupflicht an der St. Martinskirche auf dem Friedhof nicht nach- kommt. Die Heidelsheimer nennen die Domherren "Dummherren". Jahr- zehntelanger Prozeßstreit. Hieronymus Gobelius, ev. Stadtpfarrer.
Diese Jahreszahl trägt der Dreimärker im Hinteren Rettig, ältester Grenz- stein der Gemarkung. Die Stadt muß zum Festungsbau Mannheim einen Tribut leisten. Benediktus Rauh, ev. Stadtpfarrer.
Gutleuthäuschen, Asyl für Aussätzige, beim Sennig genannt. Der Dreißig- jährige Krieg mit schweren Auswirkungen auch für Heidelsheim bricht aus. Tilly, der General der kath. Liga, wird zunächst bei Mingolsheim geschla-
gen, siegt aber in der Schlacht bei Wimpfen über die protestantische Union, überrennt den Kraichgau, brennt Heidelsheim "bis auf etliche Häuser" nieder und erlaubt eine sechstägige Plünderung der Stadt.
Die Kriegsschulden belaufen sich auf 1400 Gulden. Johann Baptista Vest als Schultheiß erwähnt. Hunger und Pest wüten unter der stark zusammengeschmolzenen Ein-
wohnerschaft. Sage vom Luchs, Stein am Haus Bahnhofstraße 13 (heute Merianstraße Die Schweden erobern die Stadt. Der Judenfriedhof bei Obergrombach, der auch Begräbnisplatz der Hei-
delsheimer Juden wird, zur Benutzung freigegeben. Kaiserliche und Franzosen setzen sich abwechselnd in den Besitz der Stadt. Joh. Mohr, kath. Stadtpfarrer.
Die letzten Reste der Helmsheimer Einwohner flüchten nach Heidelsheim, da ihr Dorf niedergebrannt ist. Joh. Jak. Capp, kath. Stadtpfarrer. Ende des 30jährigen Krieges. Nach der Sage wird eine Friedenslinde ge-
setzt, einer der drei Lindenbäume im Gewann Lindenbaum, die noch stehen. Einwanderer mit neuen Familiennamen kommen in die Stadt, wie Feßen- becker, Gmelin, Grün, Kummer, Schroth, Schütz u. a., darunter zahlreiche
Schweizer. Die Einwohnerzahl war von etwa 1200 auf 310 gesunken. Jakob Michault als Schultheiß erwähnt. Johann Philipp Moritz Cruciger, Stadtschultheiß. Das älteste Kirchenbuch der Reformierten wird angelegt.
Alexander Zacharias, evang. reformierter Stadtpfarrer. Matthias Kleiber, evang. reformierter Stadtpfarrer. Gerhard Schoppius, evang. reformierter Stadtpfarrer.
Der Stadtschäfer hat eine Herde von 300 Schafen. Er hat alljährlich dem Rat und Gericht das Pfingstlamm zu verehren. Franz Paravicini, Stadtschultheiß. Konrad Velthusius, evang. reformierter Stadtpfarrer.
Petrus Franzenus, evang. reformierter Stadtpfarrer. Im sogen. Wildfangstreit kommt es zu Plänkeleien zwischen Bruchsal und Heidelsheim, die bewehrte Bürgerschaft rückt aus und bringt zwei Gefan- gene ein.
Die Ziegelhütte liegt vor dem Wendeltor und wird ab 1675 von dem aus der Schweiz eingewanderten Eberle betrieben. Drei strohgedeckte Häuser durch Funkenflug aus einer Schmiede abge- brannt.
Martin Standford, evang. reformierter Stadtpfarrer. Christian Serinus, evang. reformierter Stadtpfarrer. Im sogenannten Reichskrieg bestürmen Franzosen die Stadt, erschießen
am Bruchsaler Tor zwei Bürger, plündern wiederholt. Beim Friedensschluß werden auf dem Rathaus "Freudenschüsse mit Doppelhaken" abgeschos- sen. Die Stadtschmiede wird wieder aufgebaut.
Peter Fickeisen, evang. reformierter Stadtpfarrer. Von ihm stammen die Berichte aus Heidelsheim trübster Zeit im Orlean'schen Krieg. Die Bürgerschaft verweigert jeden Frondienst gegenüber dem Landes-
herrn, beruft sich auf die Privilegien der Stadt. Johann Andreas Peter Paravicini, Stadtschultheiß. Junge Bürger schmücken jedes Jahr im Mai die Stadtbrunnen mit Maien.
Durch Zugang neuer Bürger, zum Teil aus der Schweiz, vermehrt sich die Zahl der Familiennamen, die sich bis heute erhielten, wie Fink, Goll, Hor- nung, Jäger, Zutavern. Dunkelster Tag in der Geschichte Heidelsheims:
Im pfälzischen Erbfolgekrieg, auch Orleans'scher Krieg genannt, wird durch französische Truppen des Generals Durras die Stadt "bis auf die drei geringsten Hüttlein' eingeäschert und zerstört. Unersetzliche Kultur-
güter und Erinnerungen gehen verloren. Von der 142 Mann starken Bür- gerschaft werden 86 getötet, 52 fliehen "unwissend wohin", 10 bleiben übrig, 6 weitere sind neue Bürger. Die Einwohnerzahl schrumpfte von
rund 750 auf etwa 50 zusammen. Neben fast allen Bürgerhäusern sind sämtliche öffentlichen Gebäude zerstört. Der Krieg dauert von 1688 bis 1697. Elias Hosemann, evang. reformierter Stadtpfarrer.
An Stelle der verbrannten Turmuhr wird eine Sonnenuhr angebracht. Zum Friedensschluß des Orleans'schen Krieges wird vermutlich die zweite Friedenslinde gesetzt, die dritte nachweislich nach dem Friedensschluß 1871.
Neue Einwanderungswelle mit neuen Familiennamen, wie Freidinger, Frey, Entz, Graf, Hahn, Hartmann, Hauser, Schäf, Walter. Christof Wüst baut das Schildwirtshaus "Zum Goldenen Ochsen" wieder
auf, Hans Georg Schroth den "Löwen". Wiederaufbau des Armenspitals, Luthergasse 9. Bau des Marktbrunnens, an dessen Rand der Driller stand. Das älteste vorhandene katholische Kirchenbuch wird angelegt.
Anwalt Johann Andreas Blank baut das Schildwirtshaus "Zur Krone" neben dem alten abgebrannten Rathaus, wo heute das Schulhaus steht. Letztes Blutgerichtsurteil des Stadtgerichts an einer Kindsmörderin voll-
streckt. Im Spanischen Erbfolgekrieg lagert zwischen Bruchsal und Bretten ein Heer von 40 000 Mann unter Markgraf Ludwig von Baden, auch Türken- louis genannt.
"Arme Frauen, vertriebene Weiber, verbrannte Männer mit Brandbriefen, arme Studenten, blessierte Soldaten, Gefangene vom Türken, Amputierte" durchziehen die Stadt, werden aus der Stadtkasse unterstützt.
Johann Jak. Cellarius, evang. reformierter Stadtpfarrer. Die katholische Pfarrei wird Filiale der Pfarrei Helmsheim. Die Stadtkirche wird durch eine Scheidemauer geteilt, die Katholiken erhalten den Chor,
die Reformierten das Langhaus, die Lutherischen halten Gottesdienst in einem Privathaus. Stadtschultheiß J. A. P. Paravicini erbaut sein stattliches Fachwerkhaus, Bahnhofstraße 27. M. König, kath. Stadtpfarrer.
Franziskus Peter Müller, kath. Pfarrer. Schildwirtshaus "Zur Kanne" erbaut. Hier tagt zeitweise in Ermangelung eines Rathauses Rat und Gericht. Wiederaufbau der Zehntscheune.
Stadtkelter mit Strohdach wieder aufgebaut in der Zehntgasse. Französische Soldaten erpressen 1290 Gulden, rauben die Ernte vom Halm. Bürger vergraben die neue Glocke.
Wiederaufbau des Langhauses der Stadtkirche, 1712 des evangelischen Pfarrhauses. Ludwig Eccoffy, Stadtschultheiß. H. Gronke, kath. Pfarrer. Schulhaus am Kirchplatz wieder aufgebaut, zunächst einstöckig, 1790
zweites Stockwerk. Stadtschultheiß Ludwig Eccoffy erbaut sein stattliches Haus, Marktplatz 12, zeitweise Gasthaus "Zum Goldenen Adler". Anläßlich einer Mission Kruzi- fix auf dem Marktplatz errichtet.
Lutherische Gemeinde baut ein Kirchlein aus Holz, ein Oratorium, als Vorläufer der späteren Kirche in der Zehntgasse. Johannes Kuchemann, Küfer, errichtet sein Haus an der Wettgasse. Joh. Jak. Klinkhardt, kath. Pfarrer.
Für Bürgerholz werden jährlich 1800 Klafter Holz geschlagen. Die Stadt muß zum Mannheimer Schloßbau beisteuern. Joh. Jak. Lang, evang. reformierter Stadtpfarrer.
Die bewaffnete Bürgerschaft rückt in Gondelsheim ein. um einen Streit zwischen Schloßherr und Gemeinde zu schlichten. Die Wasserleitung zu den Stadtbrunnen besteht aus Holzdeicheln.
Johann Andreas Stein, der berühmte Orgel- und Klavierbauer, am 6. Mai geboren, Geburtshaus Bruchsaler Straße 4, gestorben 1792 in Augsburg. Beginn des lutherischen Kirchenbuchs.
Joh. Hch. Schnell, lutherischer Stadtpfarrer. Der betagte lutherische Schulmeister Frank klagt, daß er in den letzten Kriegen "sein Armütlein dreimal völlig durch den Feind verloren."
Das Zugvieh wird an den Sonn- und Feiertagen zur Weide an die Straßen- ränder getrieben. Franz Ludwig Wilhelmi, Stadtschultheiß. Erbauung der lutherischen Kirche als Steinbau.
Im Polnischen Erbfolgekrieg stehen sich die Franzosen und das Reichs- heer unter Prinz Eugen in unserer Gegend gegenüber. Die Bewohner fliehen nach Osten, die Franzosen rauben die Feldfrüchte, die Stadt er-
leidet 2000 Gulden Kriegsschulden. Verbot fremden Tabak zu schnupfen oder zu rauchen bei Androhung von 200 Talern Strafe. Zur Brandbekämpfung besitzt die Stadt eine Feuerspritze, erstmals er-
wähnt. Stadtschultheiß F. L. Wilhelmi erbaut sein Haus, Marktplatz 11, auf dem Platz des ehemaligen Gasthauses "St. Sebastian". Es gibt immer
noch "abgebrannte Hausplätze" von der totalen Einäscherung des Jahres 1689. Das Bürgerhospital, heutiges Rathaus, wird wieder aufgebaut. Im Öster-
reichischen Erbfolgekrieg (1741/48) erpressen Kaiserliche und Franzosen Lieferungen im Wert von 4721 Gulden. Anpflanzung von Grundbirnen (Kartoffeln) wird erstmals erwähnt.
Eine Überschwemmung im Februar verursacht großen Schaden. Schäd- lingsbekämpfung: Jeder Ortsuntertane hat 6 tote Spatzen abzuliefern oder einen Gulden Strafe zu entrichten; desgleichen Wespenbekämpfung durch
Ablieferung von Wespen und Wespennestern. Jakob Grillo erbaut die 4. Mühle, späterer Besitzer: von Büren. Georg Antonius Mohr, kath. Pfarrer. Joh. Hartmann Kramer, lutherischer Stadtpfarrer.
Petrus Helffenstein, evang. reformierter Stadtpfarrer. Der städtische Bettelvogt überwacht und verweist fremde Bettler aus der Stadt, muß aber hiesige Bettler passieren lassen. Verbot des Neujahrs- schießens.
Die lutherische Gemeinde besitzt eigenes Schulhaus, Zehntgasse 5, das 1838 die israelitische Gemeinde als Schulhaus erwirbt. Bei der Fronleichnamsprozession hat der Stadtfähnrich die Stadtfahne vorauszutragen.
Schädlingsbekämpfung: 305 Maulwürfe werden abgeliefert und pro Stück 2 Kreuzer vergütet. Kruzifix auf dem Kirchplatz errichtet durch Steinhauer Konrad Fechtig.
Zwischen Kirche und Kruzifix steht eine große Linde. Es gibt keine Stra- ßenbeleuchtung. Wer abends ausgehen muß, benützt eine Laterne. Um 9 Uhr ist in den Wirtschaften Feierabend. Übertreter werden auf die Tor-
wache gebracht und bestraft. Im Siebenjährigen Krieg erneute Kriegslieferungen an Feldfrüchten und Pferden. Wegen "erlittenen Wolkenbruchs" wird das Schatzungsgeld, eine Steuer, nicht erhoben.
Simon, evang. reformierter Stadtpfarrer. J. V. Hoffmeister, evang. reformierter Stadtpfarrer. Schädlingsbekämpfung: 7784 Spatzenköpfe werden abgeliefert. Josefus Antonius Große, kath. Pfarrer.
Albert Wagenknecht, evang. reformierter Stadtpfarrer. Das Kegelspiel wird auf einem Platz bei der Ziegelhütte ausgeübt, später vor dem Koppentor Heidelsheim hat 3000 Baumsetzlinge für den Schwet-
zinger "Lustgarten" zu liefern, Lustschloß des Kurfürsten Karl Theodor. Johannes Ringer, lutherischer Stadtpfarrer. Das neue Rathaus- oder Mitteltor, heute Stadttor, zwischen Alt- und Vor-
stadt wird erbaut. "Weiße Kartoffeln" werden angebaut. Jakob Staab, letzter Stadtschultheiß. Eine Räuberbande von 28 Mann unter Führung des "starken Joseph" be-
lästigt die Umgegend, Bürgerwache wird verstärkt und durchstreift des Nachts die Gemarkung. Die Sandgrube beim Lindenbaum ist schon seit Jahren in Betrieb.
Zur Einführung der Seidenraupenzucht werden 527 Maulbeerbäume ge- pflanzt. Innerhalb 8 Tagen hat jeder Haushalt 300 Wespen abzuliefern. Für ein Wespennest werden 2 Kreuzer bezahlt, 272 Nester werden abgeliefert.
Gg. Marx Freidinger beginnt mit dem Bau des Scheckenbronner Hofs. Erster Aussiedlerhof, heute Standortübungsgelände der Bundeswehr. Driller, Pranger und Halsgeige sind noch in Anwendung zur Sühne kleiner
Vergehen, wie Diebstahl von Obst und Feldfrüchten, Weinberg pfählen und Hausgerät, Racheakte und Scheltworte. Wegen der engen Bebauung in- nerhalb der Stadtmauern dürfen von jetzt an Häuser außerhalb der Stadt
gebaut werden, doch muß die Stadt weiterhin "geschlossen" bleiben. Erstes Haus vor dem Bruchsaler Tor von Gg. Marx Freidinger erbaut, Bruchsaler Straße 18 (heute Markgrafenstraße
Eine Berufszählung weist einen blühenden Handwerkerstand aus. Heidels- heim hat 7 Handwerkerzünfte, die im "Ochsen", in der "Krone" und in der
"Kanne" ihre Zunftherberge haben. Das reiche Bürgerhospital beherbergt 30 Pfründner, die sich dort eingekauft haben. Vor dem heutigen Stadttor,
Mittel- oder Rathaustor genannt, steht noch die Brücke über den Stadt- graben. Marx Bauer baut hier sein Haus, Bahnhofstraße 6, späteres Post- amt. Zur Brandbekämpfung stehen zur Verfügung: 1 Feuerspritze, 5 Schläuche,
4 Feuerleitern, 3 Feuerhaken, 362 lederne Feuereimer und Wasserbütten. Wer in der Neujahrsnacht beim Schießen ertappt wird, erhält eine Züch- tigung von 20 Streichen mit dem Farrenschwanz.
Jeder junge Bürger muß beim Bürgerrechtsantritt zwei Maulbeerbäume setzen. In den Revolutionskriegen liegen Kaiserliche und französische Revolu- tionstruppen bei Heidelsheim einander gegenüber, Heidelsheim liegt zwi-
schen den Fronten. Die fliehende Bevölkerung der Rheinebene überflutet die Straßen, Hospital nimmt Kinder auf. Räubernde und plündernde Haufen belästigen die Stadt, die Bürger grei-
fen zu den Waffen, zu Gabeln und Sensen, bewachen die Stadttore. Das Hospital hat neben einem großen Grund- und Hausbesitz ein meist ausgeliehenes Kapital von 35 852 Gulden, versorgt 30 Pfründner, steht an
3. Stelle aller Landhospitäler der Kurpfalz. Joh. Karl Friedrich Zeller, lutherischer Stadtpfarrer. Jul. Wolfg. Kirchhofer, evang. reformierter Stadtpfarrer.
Heidelsheim hat eine Apotheke, Apotheker ist Mühlhause, Haus Bruchsaler Straße 16. Französische Soldaten dringen wiederholt in die Stadt ein. Joh. Friedrich Blum, lutherischer Stadtpfarrer.
Letztes Auftreten von Wölfen in unserer Gegend, die in einer Schafherde bei Helmsheim großen Schaden anrichten. Heidelsheim, seit 1463 endgültig kurpfälzisch, kommt durch die Auflösung
der Kurpfalz zu Baden. Die 3 Wappen am Stadttor (Reichsadler, kurpfälzi- scher Löwe, badisches Wappen) erinnern an die jeweilige Staatszuge- hörigkeit. Die Stadt hat 1700 Einwohner, 33 590 Gulden Kriegsschulden.
Emanuel Raaber, kath. Pfarrer. In den Napoleonischen Kriegen liegt Heidelsheim nicht im Kampfgebiet, leidet aber durch Truppendurchzüge und allerlei Kriegslieferungen, die
Häuser am Marktplatz sind bevorzugte Offiziersquartiere, 1810 liegt ein französisches Truppenkontingent in der Stadt, 1813 durchziehen 48 Tage lang deutsche, österreichische und russische Truppen westwärts die Stadt.
Christof Weilbacher, Bürgermeister. Einrichtung einer Obstbaumschule für die männliche Jugend und einer Industrieschule für die weibliche Jugend. Heimliche Zusammenkünfte der
Pietisten werden polizeilich gestört und beobachtet. Johann Georg Durst, Bürgermeister. Der Nachtwächter bläst des Nachts noch stündlich das Horn. Die Ge-
meinde erwirbt das Hospitalgebäude am Kirchplatz als Rathaus, bisher Verwaltung und Ratssitzungen in Privathäusern und im Hospital. Die Hospitalgüter und Kapitalien werden unter die 3 christlichen Gemein-
den aufgeteilt, Gesamtvermögen beträgt 75 504 Gulden. Es werden Pfirsich-Bäume gepflanzt, das Rebgelände umfaßt 236 Morgen, d. s. etwa 70 ha. Joh. Ludwig Meyer, evang. reformierter Stadtpfarrer.
Glaser, evang. reformierter Stadtpfarrer. An Ende der Napoleonischen Kriege lasten auf der Stadt 40 000 Gulden Kriegsschulden, 70 Bürger standen im Krieg in Spanien, Rußland, Frank-
reich usw., 24 sind gefallen oder vermißt. Öffentliche Hinrichtung des Gattenmörders A. Gieser in Bruchsal, Spalier- bildung durch 111 Mann Heidelsheimer Bürger. 21 Kinder sind an Blattern erkrankt.
Die Versammlungen der Pietisten werden weiterhin argwöhnisch beob- achtet, zeitweise verboten, finden im Haus Schlittengasse 6 statt. Lahr, letzter lutherischer Stadtpfarrer bis zur Vereinigung der beiden
evangelischen Kirchengemeinden. Große Hungersnot und Verarmung infolge von Mißernten und Über- schwemmungen, Hochwasser am 28. 5. 1817. Hochwassermarken an ver- schiedenen Stellen erinnern daran.
Einsturz des 1689 durch den Brand stark beschädigten Turmes der Stadt- kirche, anschließend völlige Abtragung. Kirchenglocken schon seit lan- gem im Stadttorturm.
Ludwig Mühlhause, Bürgermeister. Er ist zugleich Apotheker. Einwohnerzahl nach Konfessionen: 1027 reformiert, 500 lutherisch, 295 katholisch, 139 jüdisch; zusammen 1963. Es stehen 266 Privathäuser.
Schwarz, evang. reformierter Stadtpfarrer. Die reformierten und lutherischen Kirchengemeinden vereinigen sich. Schwarz, erster evangelischer Stadtpfarrer nach Vereinigung der Refor-
mierten und Lutherischen. Pfarrer Schwarz starb durch Herzschlag beim Gebet am Altar. Anbaufläche für Flachs 100 Morgen, Hanfbrechlöcher beim Lindenbaum. Brehm, kath. Pfarrer.
Durch die Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinden, d. i. die Union, wird die luth. Kirche frei. Ochsenwirt Fink erwirbt das Gebäude und wandelt es in ein Wohnhaus
mit Kelter, Scheune und Stallungen um. Die zwei Märkte, urkundlich nach- gewiesen seit 1540, Oster- und Michaeli-Markt, werden stark besucht, die Stände der Krämer und Handwerker stehen vom Marktplatz bis ins Innere
der Altstadt. Die Talmühle als 5. Mühle erbaut von Anton Julier. Abbruch der Ruine der St. Martinskirche auf dem Friedhof. Im Gewann Stadtsee wird Torf gestochen. Johann Georg Durst, Bürgermeister.
Außerhalb der Stadtmauer stehen: Vor dem Wendeltor 15, vor dem Kop- pentor 15, vor dem Bruchsaler Tor 31 Häuser. Es gibt 3 Gasthäuser, 6 Straußwirtschaften, 3 Bierwirtschaften und eine Judenwirtschaft.
Metzger, evang. Stadtpfarrer. Das Recht, alle Jahre ein Freischießen veranstalten zu dürfen, besteht immer noch, ebenso der Anspruch auf 2 Gulden "Schußvorteilgeld", ein
über 4 Jahrhunderte bestehendes Recht "wegen erwiesener Treue". Die Brücke vor dem Mitteltor wird abgebrochen, der dort verbreiterte Stadt- graben, der lange Zeit als Brandweiher diente, zugeworfen.
Da bei Rohrbach 6 Schafe von einem Wolf zerrissen wurden, werden in der Gemarkung Streifengänge gemacht. Ablösung des Zehnten, letzter Zehntherr das Domänenamt, 1842 Verkauf
des Zehntgebäudes, Bahnhofstraße 26, an Peter Hörner. Wendeltor, Kop- pentor und Bruchsaler Tor werden zum Abbruch versteigert, Hirtenhaus und Törlesturm an Kaspar Freidinger verkauft, neues Wachthaus erbaut.
J. N. Höfelmann, kath. Pfarrer. Max Wundt, evang. Stadtpfarrer. Sein Sohn ist der große Philosoph Wil- helm Wundt, der seine Jugendzeit in Heidelsheim verlebte. Johann Georg Entz, Bürgermeister.
Am 3. September Großer Tumult wegen Bürgermeisterwahl, Brandstiftung und Rebellion, Einrücken der Bruchsaler Dragoner, hohe Zuchthausstra- fen, Unkosten der Gemeinde 1169 Gulden. Grund: Der von den Bürgern
mit überwältigender Mehrheit gewählte Jakob Barth wurde von Ober- amtmann Leiblein aus Bruchsal für unwürdig erklärt. Er setzte den bis- herigen, wenig beliebten Johann Georg Durst wieder in sein Amt ein. In
der gleichen Nacht ging die Scheune von Bgm. Durst in Flammen auf. Im Landtag gab es einen Sturm der Empörung und viel Verständnis über die Tumulte "über so schwer verletzte Bürger- und Menschenrechte"( Abg. von
Rotteck). Große Auswanderungswelle, etwa 200 Einwohner verlassen die Heimat, ziehen nach Amerika. Johann Wolf, Bürgermeister. Dem erneut mehrheitlich gewählten Jakob
Barth wurde die Bestätigung wieder vorenthalten. Balthasar Goll, Bürgermeister. Broß, kath. Pfarrer. Wilhelm Wundt, Heidelsheimer Pfarrerssohn, später bedeutender Gelehr-
ter, berichtet vom Higgomarkt einem alten Osterbrauch auf dem Oster- markt. Das Hospital verkauft die Andreashöfe in Wössingen für 7000 Gulden. In Heidelsheim besteht ein Gesangverein. Das Judentor wird abgebrochen.
Ludwig Krümmel, evang. Stadtpfarrer. Engelhard Spitz, Bürgermeister. Jährlich finden zwei Krämermärkte und 4 Viehmärkte statt. An Fastnacht brechen Krawalle gegen Juden aus. Es bildet sich eine Bür-
gerwehr mit 300 Gewehren zur Aufrechterhaltung der Ordnung, 1849 be- setzt eine preußische Kompanie die Stadt, Heidelsheimer beim Gefecht bei Ubstadt. Volkszählung ergibt 1703 Evangelische, 295 Katholiken und 192 Juden.
Johannes Schütz, Bürgermeister, Gründung der evang. Kinderschule. Georg Eisinger, Bürgermeister Große Teuerung und Hungersnot, Lebensmittel werden registriert, Ge- meinde nimmt ein Darlehen von 5000 Gulden auf.
Die Kirchweihe dauert 3 Tage, vom 26. - 28. September. Die Staatseisenbahn Bruchsal - Stuttgart wird in Betrieb genommen. Heidelsheim wird Haltepunkt. Heidelsheim erhält eine Postexpedition.
Synagoge auf dem Kanzelberg an der bisherigen Stelle erbaut. Michael Nüßle, evang. Stadtpfarrer. J. B. Hofmeister, kath. Pfarrer. Johann Georg Entz, Bürgermeister.
Die Apotheke, seit 1797 in Heidelsheim, wird nach Odenheim verlegt. Rückgang des Weinbaus, nur noch 60 Morgen Weinberge. Karl Pabst, Bürgermeister. Am 11. Juli wird die Freiwillige Feuerwehr gegründet, erster Kommandant
Georg Walter. Gründung des Männergesangvereins "Eintracht", eine Weiterentwicklung des schon 1844 beurkundeten "Singchors". Gründung eines Frauenvereins zur Linderung der Not im preußisch-öster-
reichischen Krieg. Bau des neuen Kirchturmes im nachgotischen Stil, Kosten 10 872 Gulden. Die Bürger spenden 2345 Gulden für neue Glocken. Gründung des Spielmannszugs der Freiw. Feuerwehr.
Heidelsheim erhält wieder eine eigene katholische Pfarrei, war seit 1705 Filiale von Helmsheim. Im deutsch-französischen Krieg stellt Heidelsheim 45 Feldzugsteilnehmer,
beklagt 4 Gefallene. Beim Friedensschluß Festzug, Lichterfest und Frie- denslinde als 3. Linde gesetzt. Heinrich Durst, Bürgermeister. Bürgermeister Heinrich Durst läßt gegen anfänglichen Widerstand auf dem
Marktplatz 16 Kastanienbäume pflanzen. Wasserleitung für die Stadtbrunnen wird an Stelle der Holzdeicheln mit eisernen Röhren versehen. Katholisches Pfarrhaus in der Wettgasse erbaut.
Der Gaisturm, gleichen Aussehens wie der Katzenturm, wird zum Abbruch versteigert. Alle noch vorhandenen Stadtgräben werden zugeworfen und eingeebnet.
Einführung der Gemeinschafts- und Simultanschule. Bis dahin hatte Hei- delsheim eine reformierte, lutherische, katholische und jüdische Schule mit jeweils eigenem Schulhaus. Hch. Lipp, kath. Stadtpfarrer.
Leopold Leichtlen, evang. Stadtpfarrer. Schülerzahl: 362 evangelisch, 69 katholisch, 23 israelisch. Franz Wilßer, Bürgermeister. Bierbrauer Heinrich Durst beginnt im "Adler" mit einer Mälzerei und legt
damit den Grundstein zur Malzfabrik Durst. Am 10. August wütet ein orkanartiger Sturm, entwurzelt in der Gemarkung 1900 Bäume und die alte Linde auf dem Kirchplatz.
Neues, gemeinsames Schulhaus, an Stelle von 4 alten Schulhäusern er- baut, auf dem Platz der zu diesem Zweck abgerissenen "Krone". Noch heute Schulhaus. Gründung des Musikvereins.
Gründung des Bezugs- und Absatzvereins. Sängerbund gegründet. Balthasar Höckel, Bürgermeister. Gründung des Turnvereins. Hch. Müller, evang. Stadtpfarrer.
Gründung des Spar- und Darlehenvereins im Raiffeisenverband. Hermann Rast, kath. Stadtpfarrer. Neubau der evangelischen Kirche mit 1043 Sitzplätzen. Wassereservoir, Wasserleitung mit Anschluß in die Häuser, Kanalisation
gebaut. Wasserversorgung bisher durch einige Pumpbrunnen und die Stadtbrunnen. Gründung der freien Turnerschaft. Karl Renner, evang. Stadtpfarrer, Vater des späteren Innenministers Viktor Renner.
Johann Heinrich Zimmermann, Bürgermeister. Heidelsheim erhält elektrische Beleuchtung (Gleichstrom) durch das von Heinrich Durst errichtete Elektrizitätswerk. Gründung des DRK-Ortsvereins.
Othmar Wendler, kath. Stadtpfarrer. Haushaltsvolumen der Stadt beträgt 85 000 M. Im 1. Weltkrieg stellt Heidelsheim rund 600 Männer als Kriegsteilnehmer,
87 sterben im Feld, viele kehren als Kranke und Verwundete zurück, in der Heimat fordern Entbehrung, Unterernährung und Sorgen ihre Opfer. Gründung des Spinnclubs. Karl Ungerer, kath. Stadtpfarrer.
Gründung des Fußballklubs. Übernahme des E-Werkes von Hch. Durst durch die Stadt. Ergebnis einer Viehzählung: 86 Pferde, 705 Rindvieh, 103 Schafe, 646
Schweine, 410 Ziegen, 3277 Federvieh, 231 Hasen, 113 Bienenstöcke, 183 Hunde. Kriegerehrenmal zum Gedenken an die Toten des Krieges 1870/71 und 1914/18 wird errichtet. Wanderverein Odenwaldklub gegründet.
Nachkriegswirkung: 125 Arbeitslose. Gründung des Schützenvereins und des ländlichen Kreditvereins. Gemeinde erwirbt die Synagoge und baut Schulküche ein. Schützenhaus wird eingeweiht.
An der Herrengumpe wird im Saalbach eine Schwimmanlage gebaut. Das Schulhaus wird mit Zentralheizung versehen und gleichzeitig ein Schüler- bad, eine Warmbadeanstalt mit vier Wannen und vier Brausebädern für
die Bevölkerung eingerichtet. Albert Jäger, Bürgermeister. Höhepunkt der Arbeitslosigkeit, 220 Heidelsheimer arbeitslos. Wilhelm Hch. Schmitt, kath. Stadtpfarrer. Gründung des Reitervereins.
Große Flächen Bruchgelände werden in den Gewannen Braunwiese, See, Eselsbrüchle, Königinsee durch Entwässerung und Umbruch in nutzbares Ackergelände verwandelt. Be- und Entwässerungsgräben in den Gewan-
nen Biffach, Langwiese und Lache entstehen. Widerrechtliche Aberkennung des seit 1241 nachweisbaren Stadttitels durch die nat.-soz. Gewaltherrschaft. Bau einer zweiten Trafostation und Umstellung des Stromnetzes von
Gleichstrom auf Drehstrom. Stadttor erhält neuen Anstrich. Die Wappen reichsstädtischer, kurpfälzi- scher und badischer Vergangenheit schmücken nun das im Jahre 1774 erbaute Stadttor.
Das alte Schulhaus in der Merianstraße erhält ein Gravitgemälde Rathaus und Marktbrunnen werden gründlich instandgesetzt. Zur Förderung des Blumenschmucks wird erstmals ein Wettbewerb von der Gemeinde durchgeführt.
Aufbau der Volksbücherei. Saalbachregulierung mit Bau zweier Brücken in der Hofferich und bei der Mittel-Mühle. In der vorderen Au entstehen 12 Eigenheime. Ein neuer Stadtteil ent- wickelt sich.
1. Heidelsheimer Heimatfest nach Verleihung des Titels "Musterdorf des Kreises Bruchsal". Heidelsheim ist ein blühendes Gemeinwesen. Viele Gäste, vor allem Heidelsheimer aus nah und fern bewundern viele reno-
vierte Bürger- und Fachwerkhäuser. Allem friedlichen Planen und Wiederaufbau wird mit dem 2. Weltkrieg ein Ende gesetzt. Durch den schrecklichen Krieg verlieren 151 Heidelsheimer Männer und
4 Frauen ihr Leben. 42 Männer bleiben vermißt.
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