III. STADT UND FESTUNG

 

1. Die befestigte Stadt

Merian nennt in seinem Werk “Topographia Palatinatus Rheni" (1645) Heidelsheim einen “hübschen Fleck" und einen “weiland (= früher) vornehmen und wie ein Städtlein gebauten kurpfälzischen Fleck". Hätten wir nicht das Bild aus diesem Werk, wir könnten uns kaum eine rechte Vorstellung von der alten befestigten Stadt machen. Der Zeichner dieses uns so wertvollen, wenn auch nicht ganz naturgetreuen Bildes muß seinen Standort auf dem Sonnenberg gehabt haben. Von hier aus zeigte sich die Stadtsilhouette von ihrer schönsten Seite. Mauern, Türme und Tore beherrschen das Bild. Nicht alle Tore und Türme sind, wie wir noch sehen werden, eingezeichnet. Es ist vor allen Dingen die Altstadt, die uns in dieser Ansicht gezeigt wird. Vieles ist verschwunden, unwiederbringbar verloren gegangen. “Trotz der verheerenden Kriege hat Heidelsheim noch manches aus dem Mittelalter in die Gegenwart herübergerettet, besonders einen Teil der Befestigungsanlagen", schreibt Hans Rott in “Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Bruchsal" (1913). Versuchen wir, die alte Befestigungsanlage und ihre Entwicklungsgeschichte vor unserm Auge erstehen zu lassen!
Die Stadt war von Mauern und Gräben umgeben. Zwischen Mauer und Graben zog sich um die Stadt der Zwinger, ein Streifen Land, der die Annäherung an die Stadt weiter erschweren sollte. In vielen Städten waren Zwinger und Graben vorgeschoben und durch Wälle und Mauern zu Bastionen ausgebaut. Ein solcher Stadtwallbuckel wird auch in den Akten erwähnt. Im Jahre 1768 werden Graben und Zwinger folgendermaßen beschrieben: “Ein Zwinger und Graben vom Bruchsaler Tor bis an das Judentor. Ein Graben vom Judentor bis an das Törlein an der Stadtmauer und dem Allmendweg, wodurch ein Graben geht. Ein Zwinger neben der Stadtmauer vom Törlein bis an das Wendeltor, andererseits der Liestgraben. Der Liestgraben bis an das Wendeltor. Der Damm vom Törlein bis an des Wendeltores Schwibbogen, samt dem Plätzlein an dem Schutzgatter. Ein Zwingl und Graben vom Wendeltor bis zu der Mauer des Saileszwinger samt Graben. Der sog. Katzengraben vom Koppentor oder Brettener Tor bis zu dem Geisturm."
Die Altstadt war vollständig von einem tiefen und breiten Wassergraben umgeben, der sein Wasser vom Nottenbächlein erhielt. Am weiten Gäßlein befand sich eine Abzweigung nach dem Bach und ein Wehr, durch das der Zufluß geregelt wurde. Der Hauptgraben teilte sich beim Koppentor. Ein Arm führte geradeaus am Stadttor vorbei zum Törlein, der andere ostwärts am Diebsturm vorbei zum

2 Heidelsheim

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Koppentor. Beide mündeten in den Saalbach. Die Vorstadt war auch von einem Graben umgeben, der beim Katzenturm noch gut zu verfolgen ist; aber nur im Westen, vor dem Bruchsaler Tor, war er von Wasser durchflossen, das er von den Quellen zwischen den Lindenbäumen und dem Friedhof erhielt. Im Jahre 1579 wird erwähnt, daß im Stadtgraben Fische gehalten wurden. “Allda hat es etliche Staffeln zu den Fischkasten in dem Stadtgraben, in solchen oder einen eigenen Kasten mag ein jeder Bürger und Wirt seine Fische verwahren, inmaßen dann auch ein jeder frei und offen bei Tag und Nacht dazu gehen kann." Vor dem Wendeltor und beim Stadttor waren im Graben Waschbänke angebracht, wo die fleißigen Hausfrauen ihre Wäsche waschen konnten. Das Waschen an den Brunnen war streng verboten. Jedes Jahr mußten die Gräben von Schilf und Unrat in der Fron oder durch die Seegräber gereinigt werden. Das Trinkwasser, soweit es nicht aus den wenigen Pumpbrunnen bezogen wurde, mußte von außen in die Stadt geleitet werden, und zwar durch hölzerne Deicheln (ausgehöhlte Baumstämme), die über den Stadtgraben “schwangen". Die “Deichelfahrt" befand sich hinter der heutigen Kirche, an der sie vorbeiführte. Beim Bau des neuen Kirchturmes mußte sie verlegt werden.
Vor den Stadttoren überquerte jeweils eine Brücke den Graben. Anfangs mögen an allen Toren Fallbrücken gewesen sein. Jedenfalls wird eine solche noch 1707 beim Wendeltor genannt. Die Brücken waren aus Holz. Die Holzbrücke vor dem Stadttor wurde noch 1769 in Stein erneuert. Sie war im Jahr 1821 15 Schuhe breit und 40 Schuhe lang (= 4,50 und 12m!) und führte über ein altes offenes Grabenstück, von dem es heißt, “ob es nicht am ratsamsten sei, wenn der städtische Graben an dem mittleren Stadttorturm seiner Unsauberkeit wegen und daraus entstehen mögender Krankheiten ausgefüllt und einem Bürger zu überbauen überlassen werde." 1832 wurde dieses Grabenstück zugeworfen. Vor der Überbauung der anstoßenden Grabenstücke wurde in diesem Teil des Stadtgrabens das Wasser “aufgehoben und gespannt", um als Brandweiher zu dienen. Damit kann auch das sagenhafte Vorhandensein eines unterirdischen Verbindungsganges zwischen Katzenturm und Stadttor geklärt werden. Einen solchen Gang kann es an dieser Stelle wegen Unterquerung des Stadtgrabens nie gegeben haben. Wenn vor etwa 50 Jahren vor dem Stadttor die Straße durch ein schweres Lastfuhrwerk hinunterbrach, so geschah das eben an jener zugeschütteten Stelle, wo sich die Brücke befand. Die Brücke vor dem Wendeltor findet beim Abbruch desselben i. J. 1833 noch Erwähnung. 1785 ist die Brücke vor dem Koppentor noch vorhanden, 1778 wird sie repariert, weil ein Pferd in den Graben stürzte. Vor den Außentoren war noch ein Schlagbaum angebracht, um den Reisenden das Weg-, Tor- oder Brückengeld abknöpfen zu können. Im J. 1876 wurden alle noch vorhandenen Stadtgräben, Katzengraben ausgenommen, zugeworfen und das Wasser in den Bach geleitet.
Die Stadtmauer dagegen ist noch an mehreren Stellen erhalten. Wenn Steine reden könnten! Was könnten sie uns alles erzählen! Generationen sind an ihnen vorübergegangen, fröhliches Gewimmel sahen sie zu ihren Füßen, Gesang und heiteres Spiel, aber auch das Rennen und Flüchten, das Weheklagen und Händeringen angsterfüllter Bürger sahen und hörten sie. Kriegsgeschrei, Trommelwirbel und Büchsendonner gellten und rollten durch die Gassen, Brandfackeln und Feuerlunten flogen auf die alten Dächer, in die Wohnungen der Menschen. Wenn die Steine reden könnten, das gäbe ein Aufhorchen und Lauschen! Die Stadtmauer war ca. 10m hoch und hatte einen Wehrgang. Nach außen führten

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Bild 6

Reste der alten Stadtmauer

zahlreiche Schießscharten. An mehreren Stellen war der Wehrgang durch Treppen erreichbar. Am Katzenturm war der Wehrgang unterbrochen, während er am Diebsturm auf heute noch sichtbaren Konsolen auf der Stadtseite um den Turm geführt war. In dieser Umführung liegt der Anfang der organischen Verbindung von Mauer und Turm, welche sich zu Ende des 14. Jahrhunderts herausbildete. Als der Wehrgang verschwunden war, wurde die Mauer oben “mit Ziegeln wohl eingebunden und gefaßt". In die Mauer waren zu deren besseren Bewehrung acht Türme und drei kleinere Türmchen eingebaut, von denen weiter unten die Rede sein wird.
In die Stadt gelangte man durch vier Tore, die an den vier Himmelsrichtungen lagen, während die Altstadt von der Vorstadt ebenfalls durch ein Tor getrennt war. Die Erhaltung der Stadtmauer brachte für die Stadtkasse immer wieder beträchtliche Ausgaben. Ihren militärischen Wert hatte die ganze Festung wohl schon im 30jährigen Krieg verloren, was uns die fast kampflose Übergabe 1674 und erst recht 1689 beweist. Trotzdem genehmigte das Oberamt noch um 1780 nicht gern das Bauen außerhalb der Stadtmauer und nur, “wenn das Städtlein da-

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durch geschlossen bleibt". Gegen Ende des 18. Jahrhunderts greift die Bebauung doch immer mehr über Mauer und Graben hinaus. Innerhalb der Stadt war man der Mauer schon früher ordentlich auf den Leib gerückt. So werden schon 1721 Dächer auf der Stadtmauer aufgelegt, während 1719 der Gang auf der Stadtmauer noch ringsum erhalten und begehbar war.
Wenn die Stadt die Erlaubnis gab, Dächer auf der Stadtmauer aufzusetzen, dann mußte der betr. Bürger sich verpflichten, an dieser Stelle die Mauer zu unterhalten. Ferner war ihm verboten, Fenster- oder Türlöcher durch die Mauer zu brechen. Als dies trotzdem geschah, machte der Stadtrat bekannt, “daß diese Fenstereinbauung dem Ziel und End, wozu die Stadtmauer von anfangs auferbaut und mit großen Kosten unterhalten worden, schnurstracks zuwiderläuft".
So empfand der Bürger die Stadtmauer, hinter der er sich in früheren Jahrhunderten sicher und geborgen fühlte, immer mehr als eine Fessel; wurden doch die Bauplätze in der Stadt immer weniger und damit auch teurer. Heute ist die alte Mauer, die einst in Kriegszeiten hinter ihrer Brustwehr die bewaffneten Bürger trug, nur noch an wenigen Stellen sichtbar. Erst in den letzten Jahren wurde sie wieder an zwei Stellen gegen Süden durchstoßen, um den neuen Stadtteil in der Au mit der Altstadt zu verbinden.

 

Bild 7

Bruchsaler u. Koppen -Tor 1768
Holzkonstruktion der Torflügel
nach einer Werkzeichnung a. d. J. 1768

 

Tore und Türme

Die Tore ermöglichten den Zutritt zur Stadt. Sie bedurften deshalb auch eines besonderen Schutzes, welcher durch doppelte Tore und Turmüberbau zu erreichen versucht wurde. Das Tor selbst war zweiflügelig, aus starkem Holz ge-

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Bild 8

Stadttor, erbaut 1774, und Ratsbrunnen

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fügt und durch dicke Balken verstrebt. Der eine Torflügel hatte nach der Mitte zu ein besonderes Einlaßtürchen, damit für Fußgänger nicht die schweren Torflügel in Bewegung gesetzt werden mußten. Vom Jahre 1768 liegt uns die Zeichnung der neu erstellten Torflügel des Bruchsaler Tores vor. Im Torturm oder daneben war die Wachtstube eingerichtet, die Tag und Nacht mit Wächtern besetzt war. Für die notwendige Wärme im Winter sorgten große Kachelöfen. Die Torwache hatte von den Durchreisenden das Weg-, Tor- oder Brückengeld zu erheben. 1833 wurden die letzten Wachtstuben versteigert und abgebrochen und das neue und einzige Wachthaus am Stadttor für 787 fl. erstellt.
Auf dem Stadtbild von Merian sind an Tortürmen nur das Stadttor und Wendeltor deutlich zu erkennen. Der stattlichste Turm war:
l. das Stadttor, auch Mittel- oder Rathaustor genannt. Der alte Turm aus dem Jahre 1593 hatte mehr die Züge eines mittelalterlichen Festungsturmes als der jetzige. Von seinen vier Erkern hatte man wohl einen schönen Blick über die ganze Stadt. Über dem steilen vierseitigen Dach erhob sich eine schlanke Turmspitze, in der die Bürgerglocke hing. Im Turm wohnte der Turmwächter, der von hier oben seine spähenden Blicke, besonders zur Nachtzeit, umherschweifen ließ. Der alte Turm, der in seinem Gemäuer viel Holz enthielt, überstand Heidelsheims schwerste Schicksalszeit - 30jähriger Krieg, französischer Einfall 1674 und Zerstörung 1689 - wenigstens so, daß er nach 1689 noch beinahe 100 Jahre stand. Die Einäscherung der Stadt im Jahre 1689 muß ihn jedoch übel zugerichtet haben. Da durch den Brand auch der Glockenturm der Stadtkirche im oberen Teil vollständig ausgebrannt und verfallen war, mußte man die zwei neuen Glocken auf das i. J. 1704 renovierte “Mitteltor" hängen, von dem man 1756 berichtet, daß es “dermalen den Einfall drohet, also ohne die größte Lebensgefahr das Geläute kaum mehr angezogen werden kann." Über den baufälligen Zustand des alten Stadttores lesen wir noch aus einem Bericht desselben Jahres, daß “solches Türmlein aber dermalen so ruinös ist, daß es leib- und lebensgefährlich, bei entstehendem Wind vorbeizugehen oder die Glocke darin zu läuten, nichts destoweniger die ganze Stadt fast täglich unter diesem Turm durch- und vorbeigehen muß, mithin es leichthin sein kann, daß bei dessen Einfallung einstens viele Leute zumalen beim Kirchenein- und -ausgehen totgeschlagen werden müßten". Ferner ist die Rede von dem “ruinösen Holzgebäu" und “hölzernen Gehäuse".
Trotzdem gings noch nahezu 20 Jahre, so daß i. J. 1773 das Oberamt Bretten an den Kurfürsten berichtete: “Es ist in dem Ort Heidelsheim der zwischen der Stadt und der Vorstadt stehende Turm derart ruinös und baufällig geworden, daß solchem demnächster Einsturz drohen will" und den damaligen Stadtschult-heißen Wilhelmi mit der Vorlage eines Planes der Versteigerung beauftragte. Im selben Jahr noch wurde der Abbruch “bis auf die Fundamente" und der N e u -b a u an den Baumeister Zöller von Durlach versteigert für 2170 fl. An Heidelsheimer Meistern arbeiteten mit: der Zimmermann Josef Seyband, der Schreiner Josef Entz und Thomas Müller und Jakob Dietz. “Denselben ist aufgegeben worden, mit Eifer und Nachdruck, nicht aber langsam und schläfrig in der Sache zu Werke zu gehen und die meisterhafte Arbeit zu fördern." Der Bau wurde schließlich 1774 mit einem Gesamtaufwand von 2379 fl. fertiggestellt. Die Wetterfahne trägt heute noch die Jahreszahl 1774. Da in jenem Jahr der alte Kirchturm immer noch in seinen Trümmern ohne Dachstuhl dastand, kamen in den neuen Stadttorturm wieder die Stadtuhr und zwei Glocken, welche von den Reformierten

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und Katholiken gemeinsam benutzt wurden. Der neue Turm stellt das Wahrzeichen der Stadt dar und gibt dem Marktplatz einen prächtigen Abschluß. Die Wappen im Giebelfeld über dem Torbogen berichten von der Geschichte der Stadt.
2. Das Wendeltor stand in der Bahnhofstraße, früher Gochsheimer Straße genannt, wo der Turmweg beginnt. Er hatte nach Merians Bild einen stattlichen Turm mit einfachem Satteldach und schützte den östlichen Eingang zur Stadt. Nach dem vorhandenen Plan war der Stadtgraben hier geteilt, also die Brücke in der Mitte durch einen besonderen Aufbau bewehrt. Unverständlich berührt uns die damalige Maßnahme des Abbruchs, da die Bahnhofstraße keine Hauptverkehrsstraße nach auswärts ist und das Tor deshalb bestimmt nicht als Hindernis wirken konnte.

Bild 9

I. Brücke über den Saalbach - II. Brücke über den hier doppelt geführten Stadtgraben -
III. Wendeltor mit Turm - IV. Stadtmauer - V. Späteres Gasthaus “Zum Grünen Hof" - VI. Pumpbrunnen

 

Seinen Namen hatte es wohl nach dem Kirchenheiligen St. Wendelin, der der Schutzpatron der Bauern und Hirten war und dem die früher fast nur bäuerliche Bevölkerung von Heidelsheim mit dieser Namensgebung eine besondere Ehrung

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zuteil werden ließ. F. Mone schreibt (etwa 1876) sogar von einer “Kapelle St. Wendelin", für deren Vorhandensein wir in den Akten allerdings keinen Nachweis finden konnten.
Das Wendeltor wurde 1550 erbaut. Bei der Zerstörung der Stadt i. J. 1689 hatte es wohl gelitten, denn 1706 wurde der Turm erneuert. Vor dem Tor befanden sich 1707 noch eine “aufziehende Brücke" oder “Fallbrücke" und ein Schlagbaum. Erstere mußte später einer festen Brücke weichen, die 1834 noch vorhanden war. Im Jahre 1771 “ist der Wendel torturm, welcher notwendig zu reparieren, um dem bevorstehenden Einfall zuvorzukommen, zwischen hiesigen Maurermeistern und Zimmermeistern öffentlich versteigert worden". Im selben Jahr wurde der Turm neu aufgebaut, der 1775 “zur Beschützung des Tores und der Mauern ein neues Dach" erhielt.
Im Jahr 1833 - der Turm war bis dahin bewohnt - glaubte die Stadtverwaltung aufräumen zu müssen. Auch das Wendeltor kam zur Versteigerung. Bei der Arbeitsvergebung heißt es: “Ein Turm und Angebäu von Stein mit einem Walmendach (= schräg zurücktretender Dachgiebel), das Angebäu mit einem doppelten Dach über das Wendeltor". Das Torhäuschen wurde für 222 fl. versteigert. Der Besitz der Wetterfahne wurde der Gemeinde vorbehalten. Leider scheint sie im Laufe der Zeit verloren gegangen zu sein; vielleicht war sie ein interessantes Stück schmiedeeiserner Kunst.
3. Das Koppentor, auch Brettener Tor genannt, stand beim heutigen Schulhaus und Bäcker Feßenbecker. Ob der Name von den Kapaunen (= kastrierter Hahn) kommt? In herrschaftlichen Orten mußten an den Hühnerfaut “Cop-

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IÄußeres Tor - II. Brücke - III. Inneres mit zwei Türmen überbautes Tor - IV. Zufluß vom Nottenbächlein - V. Stadtgraben - VI. Stadtmauer.
Gebäude: a) Spätere Brauerei Bender, b) Wachthaus (abgerissen), c) Haus des Jakob Beck, d) Schmiede, e) Scheune des Conrad Junker, f) Haus des J. M. Kretz, g) Gasthaus “Zum Ochsen", h) Gasthaus “Zur Krone", i) Haus des Frz. Ad. Jäger

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pen" und Hühner geliefert werden. Oder trug die Turmspitze einen besonders auffallenden Turmhahn? Aus den Beschreibungen dieses Tores wird man nicht recht klug. Glücklicherweise ist ein Grundriß vom Jahr 1833 vorhanden. 1689 fiel dieses Tor auch der Zerstörung zum Opfer. Die verarmte Gemeinde war erst 1710 in der Lage, es wieder zu erneuern. Es erhielt wieder einen Turm, da man die Befestigung so kleiner Städtchen noch nicht für überholt betrachtete. Die Staatschaisen und Equipagen der damaligen Zeit kamen aber öfters mit den Toren dieser kleinen Festungen in Kollision, denn im Jahre 1780 “gelegentlich eines

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Koppentor, Rekonstruktion nach alten Plänen

durchpassierten Equipagen-Wagens Sr. Durchl. Prinz Wilhelm" kam das “sogenannte äußere Koppentor" schwer zu Schaden. Das Tor, das 14 Schuhe (zirka 4,20 m) hoch und 14 Schuhe breit war, wurde im selben Jahr samt Wachthaus erneuert und verbreitert. Hier wurden auch die öfters verhängten “Turmstrafen" abgebüßt, da der dazu bestimmte “Malefikantenturm" (Malefikant = Missetäter) nicht wieder als Gefängnis hergerichtet wurde. Über das Heidelsheimer Gefängnis lesen wir 1767: “In Heidelsheim ermangeln dergleichen Gefängnisse ganz und gar, doch zur einstweiligen Aufbehaltung sind ein oder zwei dergl. Behältnisse auf dem sogenannten Koppentor mit 100 fl. Kosten eingerichtet worden". Im Turm befand sich außerdem die Schützenwohnung. Die Brücke war auch noch lange vorhanden, obwohl schon 1785 Häuser außerhalb des Tores erbaut wurden. Am 4. Juli 1833 wurde der Abbruch des Koppentores, dessen Mauern zum Teil aus dem 15. Jahrhundert stammten, versteigert und zwar das Wachthaus für 406 fl., “der äußere Bogen des Koppentores und Einfassung des alten Stadtgrabens" für

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26 fl.; für Abbruch “des inneren Koppentores" mit Anbau wurde nichts erlöst. Der Plan zeigt, daß dieses Tor besonders stark befestigt war. Zwischen dem ersten und zweiten Tor befand sich früher eine Fallbrücke. Das innere Tor war von zwei Türmen überbaut. Die Geschichte lehrte, daß dem schwäbischen Nachbar nicht zu trauen war; daher dieser starke Schutz!
4. Das BruchsalerTor, auch Kirchhofer Tor genannt. Durch das Bruchsaler und das Koppentor bewegte sich der Hauptverkehr. Vor der Brücke wehrte schon ein Schlagbaum die Durchfahrt. Hier wurden Fuhrwerke, Reiter und Fuß-

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Bruchsaler Tor (nach einer Beschreibung um 1800)

 

gänger kontrolliert und ihnen der Zoll abgenommen. Die Torwächter saßen an schönen Tagen im Schatten der Linde, unter der ein fließender Brunnen lustig plätscherte. Das Bruchsaler Tor war der Zugang zur Stadt, der in den häufigen Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts gegen den westlichen Nachbarn immer den ersten Stoß zu erwarten hatte. Wie die Franzosen am 30. April 1674 sich des Tores bemächtigten, ist uns in einem Bericht erhalten geblieben. Das Bruchsaler Tor war ebenfalls besonders stark befestigt und doppelt gesichert, denn 1779 wird

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ein “Allmendplatz zwischen dem äußeren und inneren Bruchsaler Tor, ein Platz, wo wirklich eine Linde stehet", genannt. Auch wird ein Torturm (1702 erbaut) erwähnt, in dem sich eine Wohnung befand. 1780 wird auf Anordnung der Chausseekommission das Tor erhöht und von 14 Schuhen im Lichten auf 15 Schuhe erweitert. Das “Häuschen, welches auf dem Tore stand", wurde abgebrochen, desgleichen das Wachthaus, das in das Haus des Bürgers Amend verlegt wurde. Noch heute befindet sich am ehemaligen Bruchsaler Tor die Bäckerei Amend. 1792 stürzte der neu errichtete Torbogen ein. 1796, während der Revolutionskriege mit Frankreich, wurde das Tor zum Schütze der Stadt wieder errichtet. Schon 1792 wurden Häuser außerhalb des Tores erbaut. 1803 stand das Bruchsaler Tor noch. Wann es abgebrochen wurde, ist nicht sicher. Wir wissen nur, daß die Wachtstube 1833 für 150 fl. versteigert wurde.

Bild 13

Beim Judentor und Judengasse

5. Das Judentor stand am Ende der Judengasse. In der Judengasse wohnten im 18. Jahrhundert fast nur Juden. Das Judentor hatte geringere Bedeutung, da es ja in der Hauptsache nur für die Bewohner als Ausgangstor nach dem Feld in Betracht kam. Trotzdem war es von einem Turm überbaut. In der Beantwor-

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tung von “historischen Fragen" vom Jahre 1771 lesen wir, daß das Tor 1581 erbaut wurde, “der Turm daran 152l". Das Tor hatte 1788 eine lichte Breite von 11 Schuhen (zirka 3,30 m) und der Überbau eine lichte Tiefe von 20 Schuhen (zirka 6 m). Aus diesem Jahr ist auch ein Grundriß vorhanden. Im selben Jahr wurde es etwas nach rechts verlegt. Der Ausgang wird besonders notwendig als Zugang zum Bach im Falle einer Feuersbrunst bezeichnet. 1796 erweiterte sich die Stadt auch an dieser Seite über das Tor hinaus. Es stand noch im Jahre 1844.
6. Das T ö r l e i n bei der ehemaligen lutherischen Kirche wäre als letztes Tor noch zu erwähnen. Allerdings finden wir in den Akten wenig darüber geschrieben. 1777 wird vom “Listgraben beim Törlein" gesprochen. 1832 werden “die beiden Fußwege vor dem Törlein von den hiesigen Seilern als Spinnbahnen benutzt".

Türme

Außer den Tortürmen hatte die Festung Heidelsheim einige Türme, die als Ecktürme und Flankierungstürme der Stadt einen weiteren Schutz gaben.
1. Der Katzenturm. Er steht an d e r Seite der Stadt, wo nur ein trockener, aber tiefer und breiter Graben (Katzengraben) das Herankommen an die Mauer erschweren sollte. Dieser Teil der Stadtmauer bedurfte daher einer besonders starken Befestigung. Der Katzenturm war daher als Eckturm besonders stark und hoch gebaut. Nachdem das Stadttor nicht mehr bewohnbar war, wohnte hier der Turmwächter. Zur Alarmierung der Bürgerschaft war eine Glocke aufgehängt. Von seinem Erker hat man einen herrlichen Blick auf das Städtlein, auch schon deshalb, weil der Turm auf dem höchsten Punkt der Stadt liegt. Der 25 m hohe Turm hat eine hochgelegene Tür, die heute durch eine Steintreppe erreicht wird, aber früher wohl nur über eine abwerfbare Treppe erreicht werden konnte. Im Innern hat er vier Stockwerke. Im Erdgeschoß befand sich eine Art Verlies, nur von oben durch ein Loch, Angstloch genannt, zugänglich und unten durch schmale Schlitzscharten erhellt. Von hier führt nach Augenzeugenbericht ein unterirdischer Gang ostwärts. In den oberen Stockwerken sind heute noch die Schießscharten gut erhalten, während im Dachgeschoß mit seinem malerischen Erker eine Wohnung eingebaut war. Die Mauerstärke beträgt ca. 1,05 m. Der Katzenturm und das Stadttor sind die beiden Türme, die Heidelsheim heute noch das Bild einer ehemals befestigten Stadt verleihen.
2. Der Diebsturm ist leider nur noch als Stumpf erhalten, daher unbewohnt und nur von der Südseite der Stadt zu sehen. Er war wohl auch viergeschossig und im Innern ähnlich wie der Katzenturm ausgebaut mit Verließ, im Obergeschoß mit einer Mauerstärke von 1,68 m. Die hochgelegene Türe, heute noch erhalten, war nur durch den Wehrgang zugänglich, der hier um den Turm herumführte. Man sieht noch die 13 Konsolen. Dieses Befestigungssystem, Verbindung von Mauer und Turm, bildete sich zu Ende des 14. Jahrhunderts heraus. So läßt diese Bauart auf ein hohes Alter des Turmes schließen. Der Turm ist zweifellos eines der ältesten Bauwerke der Stadt. Stadtschultheiß P a r a v i c i n i (ca. 1685 bis 1713) berichtet von Katzenturm und Diebsturm: “Diese Türme sind anno 1689 bei der französischen Einäscherung hiesiger Stadt auch ruiniert worden." 1710 wurden “Bürger- und Malefikantenturm" wieder hergestellt, der Diebsturm aber scheinbar ohne Dach, denn 1730 meldete die Stadt an das Oberamt, das sich für den Zustand der Gefängnisse in Heidelsheim interessierte: “Die Herstellung des

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Bild 14

Katzenturm, Eckturm an der Südwestecke der Stadtmauer

 

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durch die Franzosen ebenmäßig abgebrannten und ohne Dach, mithin dem Ruine ganz nahe stehenden Diebsturmes, so etliche tausend Gulden gekostet, ist auf 992 n. veranschlagt." Zum Schluß wird hinzugefügt, daß “solches zu der Stadt Zierrat gereichen könnte". Ob der Turm wirklich wieder ein Dach erhielt, ist zweifelhaft. 1802 finden wir folgende Beschreibung seines baulichen Zustandes: “In der Stadt ist ein sogenannter Diebsturm an der Stadtmauer, der aber unterhalb mit Wasser angefüllet, ohne Dach und also ganz ruinös und bei Menschen Gedenken nicht gebraucht worden." Weiter heißt es: “Dahier ist für einen Arrestaten eines größeren Verbrechens gar kein Gefängnis." 1806 wurde der Turm “ringsum 7 Schuhe" abgebrochen. Der Turm sollte wie sein Bruder, der Katzenturm, wieder aufgestockt und mit einem Dach versehen werden; was “zu der Stadt Zierrat gereichen könnte".
3. Der Gaisturm stand als Eckturm zwischen Katzenturm und Bruchsaler Tor. Von ihm sind allerdings kaum mehr die Grundmauern vorhanden. Wie der Turm zu diesem Namen kam, ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Er wird auch Geistturm genannt und findet unter diesem Namen im Jahr 1725 Erwähnung. Er war wohl etwas kleiner als der Diebs- und Katzenturm. Aus dem Jahr 1802 liegt uns eine Beschreibung des Turmes vor; die einzige; ohne sie würden wir überhaupt keine näheren Einzelheiten von ihm kennen. Der Stadtrat schreibt anläßlich des schon öfters genannten Berichtes über den Zustand der Heidelsheimer Gefängnisse (geschrieben von Stadtschreiber Eisinger): “Es ist in vorigen Jahren auf dem sogenannten Geisturm in einem heizbaren und zur Wohnung hergestellten Zimmerlein ein Wächter gewesen, der in Übersehung der Stadt und allenfalls entstehendem Brand und befindlichen städtischen Glöcklein ein Zeichen gegeben, dermalen aber ist solches lediglich für einen Bürger als Turmstrafe bestimmt, in diesem Turme ist eine Art von Gewölbe, welches aber in vielen Jahren nicht gebraucht worden und allerdings in Jeglichem Falle unbrauchbar, weil die Arrestanten jeglicher Krankheit ausgesetzt und nicht wohl verwahrt werden können." Es ist uns rätselhaft, warum der Turm nicht erhalten blieb, hatte er doch die “Zerstörung" von 1833 - gemeint ist die planmäßige Niederlegung der Tore durch die Stadtverwaltung - überstanden, denn er war in jenem Jahr noch vollständig mit Dach, also in besserem Zustand als der Diebsturm, erhalten. Durch seine Abseitslage hat er sicher nicht gestört. Er wurde 1873 für 26 fl. zum Abbruch versteigert, seine Steine zum Straßenbau verwendet, obwohl noch 1843 festgestellt worden war: “Mit wenigen Kosten könnte viel getan werden für die Erhaltung dieses Bauwerks." Jedenfalls würde sein Vorhandensein dem Städtchen heute noch zum Schmuck gereichen.
Eine weitere Turmruine steht beim Törlein:
4. Der Turm an der lutherischen Kirche oder am Hirtenhaus, wie er in den Akten genannt wird. Er ist noch etwa 8 m hoch und war als halbrunder Flankierungsturm zum Schutz des Törleins in die Stadtmauer eingebaut. Zwischen dem Turm und dem Törlein stand wohl das städtische Hirtenhaus (Wohnung der von der Stadt angestellten Hirten). 1754 macht der Stadtrat mit den Handwerkern einen Akkord, “daß dieselben die Ziegel an dem Turme bei dem Hirtenhaus wohl einlegen und das Dach wohl versehen und oben das Helm mit Blech bedecken und solches mit roter Ölfarbe anstreichen, dann den Turm und die Mauern am Koppentor mit Ziegeln bedecken und fassen, sofort die einfallen wollende Mauer desselben wieder neu mauern und alle daselbst seienden Mauern bis an das letzte Tor oben mit Ziegeln wohl einbinden und fassen sollen, daß kein Stein herunterfallen kann" (für 18 fl.). 1802 lesen wir: “Bei der lutherischen Kirche

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Bild 15

Diebsturm mit Verlies

 

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ist ein alter, unbrauchbarer Turm, auf welchem lediglich ein Dachstuhl mit Ziegeln bewahret ist." 1831 wird das “Türmlein bei der Kirche" abgebrochen und 1833 das Hirtenhaus beim Törle “nebst dem daranliegenden Türmlein" versteigert. Heute dienen die Reste des Turmes als Schuppen für einen Landwirt. Auch hier würde ein Kegeldach den Verlauf der verschwundenen Stadtmauer sichtbarer machen.
5. Zum verstärkten Schutz der Stadt gegen Süden waren ca. 30 m ostwärts und 50 m westwärts des Koppentors zwei halbrunde Türmlein in die Stadtmauer eingefügt. Das eine stand vor der jetzigen Kinderschule, das andere unterhalb des Katzenturmes, wo Jetzt die Scheune des Thomas Härdle steht. Das letztere ist erst um 1910 ganz verschwunden.
Zum Schluß sei noch erwähnt, daß in den alten Stadtratsprotokollen auch ein “S t o r k e n t u r m" genannt wird. Derselbe wurde 1726 repariert und eine Wohnung darin eingerichtet. Wahrscheinlich hatte sich auf der Spitze des Turmes eine Storchenfamilie häuslich niedergelassen. Welcher Turm damit gemeint war, ließ sich nicht ermitteln. Es war wohl einer der größeren, oben genannten Türme.
Über die Ausstattung der Stadt mit Waffen, Geschützen und Wagen haben wir ein wertvolles Verzeichnis aus dem Jahr 1503. Beim Ausbruch des Bayrischen Erbfolgekriegs ließ der Kurfürst ein “Reißbuch" anlegen, in dem der bauliche Zustand und die Ausrüstung und Verproviantierung der Städte verzeichnet ist. Der Feldhauptmann Jörg von Rosenberg und der Baumeister Lorentz waren beauftragt, bei Heidelsheim “einige niedere Wehren und ein oder zwei Bollwerke" anzulegen. Trägt davon das Gewann auf dem Winterberg “auf der Schanz" seinen Namen? Die Musterung der Stadt ergab: 30 Spießer, 16 Büchsenschützen und 15 Hellebardiere (=61 Mann), ferner 3 Roßwagen und 8 kupferne Hackenbüchsen, d. s. kleine Handkanonen, an deren Schaft sich ein Hacken befand, welcher zum Zielen an der Schießscharte oder einer Gabel angelegt wurde, um den Rückstoß zu vermindern. Später wurden noch gemeldet: 40 “Weppner" mit Armbrusten, Büchsen, Hellebarden und langen Spießen, ein Proviantwagen und zwei Reißwagen mit je zwei Knechten und vier Pferden. Bei Beginn des Krieges wurde die Stadt noch mit folgenden Geschützen ausgerüstet: 20 Hackenbüchsen, l kleiner “Neytert" (Kanone), 3 Klotzbüchsen, 4 Schlangen, Karchbüchsen und Halbschlangen, l Steinbüchse. In der Stadt lagerten ferner 2 Tonnen und 40 Pfund Pulver, 400 Fuder Wein, 150 Malter Korn, 350 Malter Dinkel und 400 Malter Hafer. Ferner heißt es in diesem Reißbuch: “Nach Heidelsheim kommen die Leute aus Schwaben in Herberge."

2. Die Stadtanlage und ihre Entwicklung

Sicher und geborgen fühlte sich der Bürger hinter den dicken Mauern und starken Toren der Stadtbefestigung. Seine Sicherheit und sein erdgebundenes Denken und Fühlen kommen in den stolzen Bürgerhäusern zum Ausdruck, von denen manche wiederum gleich einer Burg trotzig und gewaltig, breit und behäbig dastehen. Eine einzige Straße durchzog in unregelmäßiger Flucht die Altstadt. Der Stadtmauer entlang umschlang im Oval eine Gasse die Häuser. Zwischen Straße und Gasse bildeten einige enge Gäßchen die Querverbindung. Dicht geschart um den massigen alten Kirchturm drängte sich so die alte Stadt. So ist der Zustand auch heute noch. Anders in der Vorstadt, die deutlich ein Nebengebilde darstellt und nicht organisch mit der Altstadt verbunden ist. Hier der große, vier-

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Bild 16

Stadtplan a. d. J. 1877: I. Wendeltor - II. Stadttor.- III. Koppentor - IV. Bruchsaler Tor .- V. Judentor - VI. Törle. l. Diebsturm 2. Katzenturm - 3. Gaisturm - 4. Turm bei der luth Kirche. (Aus: Kunstdenkmäler des Gr. Baden, 1913.)

 

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Bild 17
Bahnhofstraße, mittlerer Teil, 1938

eckige, schräg am Berg liegende Marktplatz, auf den vier Straßen einmünden. Das kleine “Linsen viertel” nimmt eine Abseitsstellung ein.
In den Akten finden wir wenig Straßennamen. In der Altstadt hatte nur der Rundgang innerhalb der Stadtmauer eine Bezeichnung. Es sind die Wettgasse und Schlittengasse. Die Häuser in der Altstadt lagen “in der Stadt”. So sagt man

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auch heute noch. Die Kirche liegt auf einer kleinen Bodenerhebung. Der Kirchplatz wurde früher Kirchhof genannt. Er wird von Kirche, Rathaus, altem Schulhaus und Zehntscheuer umschlossen. An der vierten Seite steht der Ratsbrunnen, früher Spitalbrunnen genannt. Durch den Vorbau der neuen evangelischen Kirche wurde der Platz etwas verkleinert. Der frühere Zustand mit der Linde war gewiß einheitlicher und schöner.
Ein außerordentlich geschlossenes und altertümliches Bild bietet die Bahnhofstraße vom Städttor bis zur Einmündung der Wettgasse. Hier reiht sich wirklich “Giebel an Giebel". Darunter sind prächtige Fachwerkhäuser. Verschiedentlich springen die breiten Kellereingänge in die Straße vor, Zeugnis gebend von der Liebe der Heidelsheimer zum Weinbau. Hier wohnten die wohlhabenden Bauern. Dazwischen künden Hauswappen von alten Handwerkergeschlechtern, die ihre Häuser gern an die Straße bauten, um den Vorübergehenden die Erzeugnisse ihrer Hände Arbeit vor Augen führen zu können.
Die Bauern haben sich im allgemeinen mehr in die Nebengassen zurückgezogen, wo sie mehr Platz für Scheuern und Stallungen zur Verfügung hatten. Sogar für kleine Gemüsegärten war hier noch Raum. In diesen Gäßchen gibt es manchen traulichen Winkel. Mit wenigen Ausnahmen sind die Häuser hier kleiner.
Regelmäßig bebaut ist die Wettgasse. Sie heißt im Volksmund auch noch Schafgasse nach dem in dieser Gasse liegenden ehemaligen Schafhaus. Durch diese Gasse zog der Stadtschäfer mit seiner 500 Schafe zählenden Herde. Vor dem alten Schaf haus ist heute noch ein größerer freier Platz, schon um 1700 Schaf hausplatz genannt. Einige Schwierigkeit macht die Erklärung des Namens Wettgasse. In der Wettgasse liegt der Diebsturm. Es läge die Vermutung nahe, daß “Wett" von wettmachen (= vergelten) kommt. In der alten Rechtssprache bedeutet Wette soviel wie Buße, Strafe. Lag in dieser Gasse einst eine Richtstätte, nahe dem Turm, wo der Übeltäter für seine Taten büßte? Wahrscheinlicher ist jedoch die andere Deutung: Schon 1762 wird der Platz hinter dem Hospital, an der Biegung der Gasse, “die Weedt", später Wettplatz genannt. Das Haus neben Joh. Kuche-manns Haus (heute Schmied Fischer) lag “an der Wett". In Helmsheim stand “an der Wett" ein Brunnenstock mit der Jahreszahl 1596. Es war also ein Wasserbecken dort. Unser Wettplatz wird als naß und unter Wasser stehend bezeichnet (1761). Der Bach bei der unteren Mühle wurde Wettbach genannt; es mündete in ihn der Abfluß von der Wett. Nach Grimms Wörterbuch ist aber eine Weet ein Weiher, das der Viehtränke diente. Wir erinnern an die Schafherde. Möglich wäre auch, daß es sich um einen Brandweiher handelte. Die Bezeichnung Weet für einen Weiher kennt man heute noch im badischen Hinterland. Nach den in den Akten vorhandenen Beschreibungen dürfte diese Deutung die richtige sein. Der Wettplatz wurde früher teilweise von einem Gerber (Torwart) mit einem Gerbhaus überbaut. Der Weiher wurde aber von ihm für sein Geschäft verwendet, denn ein Gerber braucht Wasser, welches er vom Spitalbrunnen herleitete. “Das Ablaufwasser von dem Brunnen beim Spital (Ratsbrunnen) soll dem Überbauer des Wettplatzes zu seinem Nutzen verbleiben." 1802 wurde hier eine Scheune erbaut.
Ob die Schlittengasse, auch Schliderlesgasse (1695) und Schlittersgasse (1773) geschrieben, etwas mit Schlitten zu tun hat, ist zweifelhaft. Man könnte bei der Fluchtlinie der Gasse allerdings an die Form der Schlittenkufen denken. Von den heute gebräuchlichen Gassennamen: Kirch-, Au-, Turm-, Kelter-, Mühlgasse wird nur der letztere früher schon genannt (1782). Dafür gab es früher noch “in

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Bild 18

Das Kuchemann-Haus in der Wett

der Stadt" eine Ulmengasse (1720). Die Häuser beim Wendeltor bezeichnete man nach diesem Tor.
In der Vorstadt standen die Häuser der wohlhabenden Bürger “auf dem Markt". Auch hier stehen sie, mit einer Ausnahme, mit der Giebelseite gegen den Platz. Das einzigartige, geschlossene Bild wurde zerstört durch den Bau des Schulhauses (1887). Als hier noch die “Krone" stand und gar vorher, als das alte Rathaus die Straße säumte, konnte der Platz gewiß seinesgleichen suchen. Durch die Baulücke neben dem “Ochsen" wurde ein Weiteres zur Zerstörung dieses schönen Platzes beigetragen. Dieser Schaden sollte bald wieder behoben werden. Die beiden anderen Seiten des Marktplatzes sind noch unversehrt. Ein

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großes Verdienst hat sich Bürgermeister Durst erworben, als er i. J. 1872 die Straße mit Kastanien bepflanzen ließ. Die Gemeinderechnung verzeichnet: “sechzehn Kastanienbäume zum Versetzen und zur Zierde des Marktplatzes für 10 fl. 40 cr. Christof Schwedes und Michael Kummer setzten dieselben für 4 fl.". Am Marktplatz lagen einst fünf Wirtschaften. So wie heute noch “Ochsen" und “Kanne" ihre herrlichen Wirtsschilder besitzen, hatte auch die “Krone" einen solchen. Das muß ein feines Bild gewesen sein!
An den Marktplatz schließt sich nach der Höhe der Kanzelberg an, dessen Name wohl von der erhöhten Lage kommt, wie im Gelände Bergvorsprünge auch vielfach Kanzel genannt werden. Der Name Canzelberg findet sich erstmals in den Akten i. J 1703, Kanzelberggäßlein 1710. Die Judengasse wird schon i. J. 1555 genannt. Es bestanden früher in den Städten Vorschriften, wonach die Juden abgesondert in bestimmten Gassen wohnen mußten. Judengassen gab es in vielen Städten (z. B. Speyer). In der Judengasse befand sich auch das Judenbad (gegenüber Schmied Trautwein). In der Badgasse (1695) befand sich das Badhaus (beim Bruchsaler Tor). Weitere Ortsbezeichnungen richten sich nach den drei Toren der Vorstadt und nach dem Törlein. Der letztere Ortsteil wird. 1675 auch “in der Cent" und Allmendgäßlein genannt, heute Zehntgasse. Eine Zeit lang führte diese Gasse auch die Bezeichnung Neue Gasse (1695—1780). Außerdem werden noch das Pfarrgäßlein und ein Hahnengäßlein erwähnt. Weitere heutige Gassenbezeichnungen sind die Gerbergasse, wo einst ein Gerber wohnte; die Luthergasse, die auf die Lutherkirche zieht; die Fischergasse und Hirtengasse. Der Name Linsenviertel wird nur im Volksmund gebraucht. Ob dieser Name etwas mit Linsen zu tun hat?
Wohl über 400 Jahre lang genügte der von der Stadtmauer umschlossene Raum für die Bewohner. Es war niemand gestattet, sich außerhalb der Mauer anzusiedeln! Nur die drei Mühlen (später fünf) und die Ziegelhütte lagen außerhalb der Mauern. So war bis in die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts der Entwicklung der Stadt durch die Stadtmauer eine Grenze gesetzt. Durch die Steigerung der Einwohnerzahl machte sich bald ein starker Mangel an Bauplätzen bemerkbar. Zunächst war man bestrebt, die verfügbaren Plätze innerhalb der Mauer auszunützen. Hier gab es noch einige Möglichkeiten. Durch die Angliederung der Vorstadt waren Zwinger und Graben vor dem mittleren Stadttor vom Anschlußpunkt der neuen Mauer (bei der neuen Kinderschule) bis zum Törlein überflüssig geworden. Lange zwar wollte man darauf nicht verzichten, weil nur die Altstadt rings von einem tiefen, breiten Wassergraben umgeben war, während das am Kanzelberg nicht der Fall war. Es ist anzunehmen, daß man die Altstadt immer noch für den sichersten Ort hielt, in den man sich zurückziehen konnte, wenn die Vorstadt aufgegeben werden mußte. Aber i. J. 1761 gab die Stadt den mittleren Graben und Zwinger für die Bebauung frei. Der Graben wurde eingeengt, z. T. auch überbrückt. Mit der Bebauung begann man beim Törlein, dann folgte i. J. 1773 das katholische Schulhaus und 1785 baute sich Marx Bauer ein Wohnhaus (die ehemalige Post) und Kronenwirt Engelhard Spitz eine Scheune (Schulscheuer) auf den eingeebneten Stadtgraben. Acht Wohnhäuser fanden in dem oben bezeichneten Abschnitt Platz.
In der Altstadt selbst wurde die der Stadtmauer zugewandte Seite der Wett-und Schlittengasse, die bisher als Zugang zum Wehrgang frei gelassen war, ebenfalls zur Bebauung frei gegeben. “Dieser Weg, der sich ohne Zweifel um die

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ganze Stadt innerhalb der Mauer herzog, ist überall an Private abgegeben und mehrmals verbaut, so daß dessen Dasein nur noch aus Urkunden bekannt ist" (1770). Die Häuser durften auf der Stadtmauer aufgesetzt werden. Durch die fortschreitende Kriegstechnik und die geringere Bedeutung des Ortes kam Heidelsheim nicht mehr ernsthaft als Verteidigungspunkt in Frage. Zwar wollte man auch weiterhin kein “offener Ort" sein, und die Regierung selbst gestattete einen weiteren Abbau der Befestigung nicht.
Als die Einwohnerzahl gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Ziffer vor den volksvernichtenden Kriegen des 17. Jahrhunderts überstieg und schon die ersten Auswanderungen einsetzten, wurde der Platzmangel immer stärker fühlbar. Rund 210 Bürgerhäuser konnten in den Schutz der Stadtmauer gestellt werden. Diese Häuser stellten um 1780 einen Wert von rund 80 000 fl. dar. Sie waren damals schon mit Blechtafeln numeriert. Auf vielfaches Drängen erteilte i. J. 1781 das Oberamt die Genehmigung, daß auch in geschlossenen Orten, wie Heidelsheim, Bauplätze vor den Mauern durch die Gemeinde abgegeben werden durften. Mit dem Scheckenbronner Hof war schon ein Anfang gemacht worden.
Nun wuchs die Stadt über die Stadttore hinaus. Man baute zunächst an die Landstraße. So baute 1787 der Küfermeister Gg. Jäger sein Haus vor das Koppentor (1801 erweitert). Auch vor dem Bruchsaler Tor entstanden neue Häuserreihen, und dort wurde auch bald der Anfang mit dem Neuen Weg gemacht. I. J. 1828 liegen vor dem Bruchsaler Tor schon 31 Häuser. Waren es an der Straße in erster Linie wieder Handwerker, so begann die Ausdehnung mit landwirtschaftlichen Anwesen vor allen Dingen vor dem Wendeltor. 1828 stehen hier 15 Häuser. Hier bildete sich dann der später durch die Bahnlinie abgetrennte Stadtteil “Sachsenhausen" (Namen wohl in Anlehnung an das gr. Beispiel in Frankfurt entstanden). Um die letzte Jahrhundertwende folgte die Ausweitung über das Judentor, das Törlein und nach der Hofferich. So wurde der Rahmen gesprengt und das früher so einheitliche Bild allmählich zerstört.
Die neue Zeit ist daran, die Räume zwischen den an den Straßenrändern gewachsenen Flügeln auszufüllen. Für die Gemeindeverwaltung und die Hausbesitzer ergibt sich die ernste Aufgabe, die von den Ahnen überkommene Stadtanlage in ihrem bis jetzt noch gut erhaltenen Gesamtbild zu erhalten und zu schützen. Besonders sollte innerhalb der alten Stadtmauer, wo noch alles einen einheitlichen, geschlossenen und durch die Geschichte der Stadt bedingten Eindruck macht, sich jede Veränderung dem Gesamtbild unterordnen. Dazu gehört auch die Pflege der alten Häuser.
Die Sauberkeit der Ortsstraßen war und ist noch im ganzen Kraichgau ein heikler Punkt. Das bringt der lehmige Boden mit sich. Doch ist durch die i. J. 1906 erfolgte unterirdische Kanalisation eine starke Besserung eingetreten. Vom Marktbrunnen führten schon vor 180 Jahren Kanäle zum Stadtgraben in der Zehntgasse. Durch die Viehherden und das Umherlaufen der kleinen Haustiere starrten die Straßen früher förmlich von Schmutz. Und wie übel war man erst nach einbrechender Dunkelheit daran! In Heidelsheim wurde erst i. J. 1857 die Straßenbeleuchtung durchgeführt und zwar mit 10 Laternen. Das war nicht eben viel. Vorsichtige Menschen, besonders Frauen, gingen daher des Abends nur mit kleinen Handlaternen aus. In manchem Haushalt wird dieses Öllaternchen aus Großmutters Zeiten noch zu finden sein. In unserer Jugendzeit ging der alte Laternenputzer Kraut noch des Abends mit seiner Leiter von einem Laternenstock zum

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anderen. Das war dann die Zeit, da die Kinder nach Hause gingen. Am 23. Dezember 1911 erstrahlte dann erstmals das elektrische Licht. Heidelsheim hatte ein eigenes Elektrizitätswerk, das an der Bruchsaler Straße stand. Heute ist Heidelsheim ans Badenwerk angeschlossen.
Wie schon oben erwähnt, stehen innerhalb der Ummauerung die Häuser in der Regel mit der Giebelseite nach der Straße. An manchen Häusern springt die Treppe in die Straße vor. Für diese Treppen mußte früher, da sie in das Allmend hineinreichten, an die Stadt ein Bodenzins bezahlt werden. Die Hausanlage war nicht durchweg einheitlich und war vor allem durch die engen Raumverhältnisse in der Stadt bedingt. Von der Enge der alten Stadt bekommt man erst eine Vorstellung, wenn man von einem der Türme auf das Gewirr der Dächer herabschaut. Eine ganze Reihe Bauernhöfe zeigt jedoch die ausgesprochen fränkische Hofanlage. Durch eine breite Hofeinfahrt gelangt man auf einen geräumigen Hof, in dessen Mitte der Misthaufen lagert. Umgeben ist der Hof von Wohnhaus, Scheune, Stallungen und Schöpf. Nur in wenigen Fällen sind Einfahrt und Hof gemeinsam. Die zahlreichen Hausanlagen der Handwerker unterscheiden sich von den Bauernhöfen. Selten sind Wohnung, Scheune und Stall in einem Gebäude untergebracht. In einigen Häusern hat sich bis auf unsere Tage das Besitzverhältnis so erhalten, daß das Eigentum am Haus stockwerksweise getrennt ist.
Den wenigsten Leuten ist bekannt, daß es noch vor 200 Jahren vereinzelt auch in Heidelsheim Strohdächer gab. 1718 erließ der Stadtrat folgende Verordnung: “Diejenigen, welche ihre Hütten und Häuser mit Strohdächern versehen, sollen solche längstens bis auf das Frühjahr mit Ziegeln decken oder aber gewärtigt sein, daß man ihnen dieselben einreisen läßt." Wiederholt wurde von der Regierung die Beseitigung der Strohdächer angeordnet, so 1779: “daß die so gefährlichen Strohdächer und die aus bloßem Stickholz verfertigten Schornsteine gänzlich abgeschafft werden". Beim Hausbau wird 1787 gewünscht, daß der untere Stock der Häuser aus Steinen aufgeführt werde, um das rare Eichenholz zu sparen. Unsere Bewunderung erregen heute noch in manchen Häusern die tief angelegten, geräumigen, gewölbten Keller. Eine Merkwürdigkeit war auch die quer gespaltene Haustüre, die immer mehr verschwindet. Sie hatte den Zweck, durch öffnen der oberen Hälfte den finsteren Hausgang zu erhellen und den Küchendampf abziehen zu lassen, ohne daß das Kleinvieh ins Haus eindringen konnte.

3. Der Markt

Der Reisende und Wanderer, der die verkehrsreiche Straße Bruchsal—Bretten gezogen kommt, hält erstaunt und verwundert an, wenn er den Heidelsheimer Marktplatz betritt. In weitem Viereck von altehrwürdigen Bürgerhäusern umgeben, stellt er mit seiner Allee breitkroniger Kastanienbäume und seinem behäbigen Marktbrunnen eine wahre Zierde des Städtchens dar. Mit der Erhebung zur Reichsstadt war auch sicherlich die Ausstattung mit Marktrechten verbunden. Doch sind Urkunden, die uns von diesem Markt der Reichsstadt erzählen, nicht mehr vorhanden. Der alte Markt der Reichsstadt spielte sich wohl, wie in anderen Städten, zu Füßen der Kirche ab, da ja die Vorstadt erst später entstand. Das Weistum von 1540 nennt unter den Einkünften der Stadt auch das Standgeld, womit die Abgabe gemeint ist, die der den Heidelsheimer Markt besuchende Kaufmann entrichten mußte.

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I. J. 1567 bittet die Stadt den Kurfürsten, sie “auch mit einem Wochenmarkt, wie Brettheim, Eppingen und Weingarten versehen sind, zu erfreuen". Diese Bitte scheint nicht gewährt worden zu sein. Nach dem 30jährigen Krieg waren es zwei Markttage jährlich. Immer wieder wurde versucht, das Recht für mehr Markttage zu erhalten, aber die Bruchsaler und Brettener Märkte lagen doch zu nahe. 1770 hatte Bretten vier Viehmärkte mit einem durchschnittlichen Angebot von 1000 bis 1200 Stück Vieh! Erst i. J. 1845 wurden Heidelsheim zu den zwei Krämermärkten noch vier Viehmärkte gewährt. Letztere verschwanden aber wieder, und heute werden wieder wie um 1700 nur der Ostermarkt (Ostermontag) und der Michaelimarkt gehalten. Letzterer fiel mit der Kirchweihe zusammen.
Damals wurden die Märkte in Bruchsal und in anderen Orten von dem dortigen Büttel durch Ausrufen bekannt gemacht. Die Stadt stellte die “Schraken" (Bretter und Balken) für die Stände. Zwei Scharwächter gingen mit dem Gewehr um und schützten den Marktfrieden. Ein lebhaftes Treiben herrschte noch vor 100 Jahren auf dem Heidelsheimer Markt. Lesen wir, was ein Schreiber i. J. 1822 darüber berichtet: “Die bedeutenden, zahlreichen Warenbuden werden zu beiden Seiten des weitschichtigen Marktplatzes aufgeschlagen, und die Krämer mit kurzen Waren, sowie die Handwerksleute mit ihren Ständen werden in die fortlaufenden Reihen gestellt. Hafner und Kübler haben ihre besonderen Plätze hinter den Krämerbuden, die Schuhmacher die ihrigen an der Straße in der Stadt... Die Krämer- und Handwerkerstände laufen in gerader Richtung bis in das Innere der Stadt" (= Altstadt).
Zur Werbung ließ die Stadt alljährlich in den Dörfern und Städten der Umgebung folgende Bekanntmachung anschlagen:

Stadt Heidelsheim
im Großherzoglich Badischen Oberamtsbezirk Bruchsal.
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Durch die hohe Ministerial-Verfügung vom 28. August 1854 Nro. 9, 539 wurde der hiesigen Stadt die Concession zur Errichtung von jährlich vier Viehmärkten ertheilt, und die Verlegung der schon längst bestehenden zwei Krämermärkte gestattet, und werden diese Märkte künftig regelmäßig nach folgender Bestimmung abgehalten werden.

I. Lichtmeßmarkt.

Auf den l. Februar, oder, fällt auf diesen Tag ein Samstag oder Sonntag, am Montag zunächst darauf - Viehmarkt.

II. Fastenmarkt.

Am zweiten Montag von Ostern rückwärts, also 14 Tage vor dem Ostermontag — Viehmarkt und am Tage darauf - Dienstag - Krämermarkt.

III. Michaelsmarkt.

Montags vor Michaelistag, oder wann Michaelistag selbst auf einen Montag fällt, auf Michaelistag - Viehmarkt, und am Tage darauf - Dienstag - Krämermarkt.

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Bild 19

Marktplatz, Blick von der Höhe des evangelischen Pfarrhauses

 

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IV. Allerheiligenmarkt.

Montag nach Allerheiligen Viehmarkt, also am Tage vor dem Brettener Viehmarkt.
Dies wird unter höflicher Einladung zu zahlreichem Besuch mit dem Anfügen bekannt gemacht, daß auf dem zunächst abgehalten werdenden Michaelismarkt - am 29. d. M. - folgende Prämien ertheilt werden:

Der Besitzer des schönsten Paares Ochsen erhält      5 fl. 24 kr.
Der Besitzer der schönsten Kuh erhält                      2 fl. 42 kr.
Der Besitzer der schönsten Kalbin erhält                   2 fl. 42 kr.

Zugleich wird bemerkt, daß der Mittelstand des hiesigen Rindviehes sich auf 1000 Stück belaufe.
Heidelsheim, im September 1845.

    Der Gemeinderath.
    Goll, Bürgermeister.
    Vdt. Claus, Rathsschreiber.

4. Gemeindegebäude

Mittelpunkt des Lebens der politischen Gemeinde war das Rathaus. Hier saß der von der Regierung eingesetzte Schultheiß, hier tagten die von der Bürgerschaft erwählten Rats- und Gerichtspersonen und der Bürgerausschuß, hier versammelte sich aber auch bei wichtigen Gelegenheiten die gesamte Bürgerschaft. Hier wurde Recht gesprochen und Rat gehalten und das Treuegelöbnis der jungen oder eingewanderten Bürger abgenommen. Kein Wunder, wenn das Gesicht der Stadt wesentlich durch das Rathaus bestimmt wurde. Das Rathaus stand daher zumeist im Mittelpunkt des Ortes, am Marktplatz, und sein Bau hob sich durch besondere Gestaltung aus den Bürgerhäusern hervor.
In Heidelsheim stand das Rathaus am Marktplatz vor dem Platze des ehemaligen Gasthauses “Krone", gegenüber dem “Ochsen", wo heute das Schulhaus steht. Es war 1593 erbaut und fiel der Zerstörung des Jahres 1689 zum Opfer. Es hatte eine Uhr, wie das heute noch in vielen Städten zu sehen ist. Leider wissen wir sonst nichts über sein Aussehen. Von einem großen Bürgersaal ist in den Akten die Rede, in dem nicht nur die Bürger sich versammelten, sondern in denen auch Hochzeitsfeste mit Tanz veranstaltet wurden.
Das jetzige Rathaus, früher Pfründnerhaus des Hospitals, ist ebenfalls ein stattliches Gebäude, das schon durch das Storchennest dem Fremden ins Auge fällt. Aber über ein Jahrhundert verging, bis die Gemeinde dieses Haus als Rathaus kaufte. Die arme, geplünderte und gebrandschatzte Gemeinde war nicht in der Lage, ein neues Rathaus zu bauen. Nach 1689 wurden die Ratssitzungen in einem Bürgerhaus abgehalten, später zog man in das Hospitalgebäude um, wo bis 1780 der vordere Teil als Rathaus benützt wurde; dann übersiedelte man, als man da gekündigt bekam, wieder in ein Privathaus, und um 1800 mietete man schließlich in der “Kanne" einen Raum, mit dem man sich bis 1809 behalf.

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Bild 20
Rathaus, ehemaliges Hospital

Den Plan, auf dem alten Platz ein neues Rathaus zu erbauen, hatte man aufgegeben. Als die Gemeinde 1780 das Hospital verlassen mußte, war kein Geld für einen Neubau vorhanden, da die Gemeinde durch die damaligen Chausseebauten vollständig erschöpft war. So verkaufte man i. J.1789, also 100 Jahre nach der Zerstörung, den Rathausplatz an den Kronenwirt Spitz für 504 fl. Der Stadtrat hatte dann die Absicht, ein neues Rathaus im “Grabenstück am Tor", also beim Wachthaus, vor dem alten kath. Schulhaus zu bauen. Die Pläne waren schon fertig (1804). Es sollte u. a. einen großen Raum enthalten, um bei Versammlungen ca. 300 Bürgern Platz zu bieten. Auch sollte eine Remise für die Feuerwehr eingebaut werden. Da bot sich Gelegenheit, das Hospitalgebäude oder Pfründnerhaus zu erwerben.
Dieses wurde am 22. Februar 1809 von der Stadt gesteigert. Das Gebäude war i. J. 1744 erbaut worden. Auf dem Dach befindet sich ein Dachreiter, in dem eine Glocke hing, die den Ausschuß und die Bürger zu Versammlungen rief. 1917 wurde das Glöcklein als ein Opfer des Krieges zum Einschmelzen herunter-

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geholt. An der Haustüre war der eiserne Hammer, mit dem man anklopfte, bemerkenswert. Durch den neuen Verputz verschwanden die bei der Eingangstüre noch sichtbar gewesenen Reste von Rocaillemalereien. Es waren zwei einander gegenüber sitzende Engel, wovon der eine ein Schwert, der andere eine Waage in der Hand hält, die Sinnbilder von Recht und Gericht.
Die Kelter war eine fast in allen Orten bekannte Gemeindeeinrichtung früherer Jahrhunderte. Sie war Eigentum der Stadt. Die Stadtkelter stand in der Zehntgasse und wurde nach ihrer Zerstörung im Jahre 1709 wieder aufgebaut. Neben der Stadtkelter war aber noch die Domkapitularische Kelter vorhanden. Das Domkapitel zu Speyer war Zehntherr. In dieser Kelter wurden die verzehnten Trauben gekeltert und gelagert. 1581 wird die Lage dieser Kelter beschrieben, wonach sie neben der Behausung des Frühmessers der Laurentiuspfründe, “vornen Straße, hinten Kirche, andererseits Kirchhof (Kirchplatz)", lag. Sie befand sich also in der Zehntscheune. Die Zehntscheune, in der oft 700 und mehr Malter Zehntfrüchte lagerten, wurde 1706 neu aufgebaut. Der äußere Torbogen stammt aus dem Jahre 1790. I. J. 1842 wurde die entbehrlich gewordene Zehntscheune an Peter Hörner für 2190 f l. versteigert.
Die Stadt hatte früher eine Schäferei. Dem Stadtschäfer stand das Schafhaus in der Wettgasse (Schafgasse) zur Verfügung. Neben einem großen Stall für 500-600 Schafe hatte der Schäfer dort eine Wohnung mit einem Waschhaus. Der Kuhhirte hatte seine Wohnung im Hirtenhaus am Törlein. 1689 muß es ebenfalls abgebrannt sein, denn 1700 wird ein “neues Hirtenhaus" erwähnt. 1833 wurde es nebst dem daran liegenden Türmlein versteigert. Zu den städtischen Gebäuden gehörte auch die Stadtschmiede. Sie lag an der Stadtmauer, hinter dem heutigen Wachthaus. Später diente sie dem Stadtwachtmeister als Wohnung. 1813 wird sie als “zerfallen und nicht mehr bewohnbar" beschrieben. 1838 wurde als städtisches Backhaus in der Vorstadt auf dem Stadtgraben, wahrscheinlich ebenfalls beim Stadttor, ein altes, einstöckiges Haus gekauft und umgebaut. Schon nach 10 Jahren verkaufte die Stadt wieder ihr Backhaus.
Heidelsheim besitzt heute wieder als Eigentum des Schützenvereins ein Schützenhaus. Früher aber gab es ein städtisches Schützenhaus, das an das Koppentor angebaut war. Es war ein kleines Häuslein, hatte eine Wohnung und diente vielleicht zur Aufbewahrung von Waffen und Gebrauchsgegenständen für das Bürgerschießen. Beim Abbruch des Koppentores wurde es verkauft und ebenfalls abgerissen. Noch einige Jahre vor dem I. Weltkrieg stand in Heidelsheim eine Ziegelhütte mit ihrem hohen, runden Schornstein. Früher stand sie etwa 100 m weiter westlich gegen den Bahnübergang. Der Ziegler, als solcher wird Josef Eberle 1685 genannt, hatte die Ziegelhütte von der Stadt in Miete, bekam von ihr das Holz zum Brennen, durfte aber keine Ware nach auswärts liefern. 1826 muß er noch der Stadt für jeden Brand 2 fl. bezahlen. Weitere Gemeindegebäude waren Hospital, Badhaus, Gutleuthäuschen und Armenhaus, denen ein besonderer Abschnitt gewidmet ist.

5. Die Mühlen

Der Wasserreichtum des Saalbaches ist so groß, daß allein auf Heidelsheimer Gemarkung 5 Mühlen betrieben werden konnten. Schon 1333 gab es 3 Mühlen, denn in diesem Jahr kaufte Pfalzgraf Friedrich 10 Malter Korngülte “auf der

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Bild 21

Untermühle, ehem. Stadtmühle, 1930 -  Aufn. K. Härdle

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mittleren Mühle zu Heidelsheim". Über diese 3 Mühlen, besagt das Weistum von 1540: “Zu Heidelsheim hat es 3 Mühlen, darunter die eine, die Untere Mühle genannt, der Stadt zugehörig und einträglich. Die andern zwei sind von Bürgern eigentümlich erkauft, geben der Stadt etlichen Bodenzins, aber Pfalz hat gar keinen Nutzen davon." Alle drei Mühlen wurden i. J. 1689 zerstört.
1. Die Untere Mühle. Der Stadtschultheiß J. A. P. Paravicini erwarb die zerstörte Mühle i. J. 1694 für 210 n. und ließ sie wieder aufbauen. Die Müller wechselten sehr häufig. Wir stellten bis auf die heutige Zeit 14 Müller verschiedenen Namens fest, darunter an heute noch in Heidelsheim vorkommenden Familiennamen Gretz, Schwedes und Wachter. Im Besitz der letzteren Familie befindet sie sich heute.
2. Die Mittelmühle. Sie liegt auf einer Insel, von Salbach und Mühlbach um-flossen. Sie wechselte ihre Besitzer nicht so häufig. Durch mehrere Generationen war sie im Besitz der Familie Gretz. Seit 1858 befindet sie sich in Händen der Familie Horsch. Sie hatte damals einen Kaufwert von 14795 n.
3. Die Obere Mühle. Unter den Besitzern finden wir Namen wie Wolf, Schmid, Jäger und Schwedes. Die Mühle ging i. J. 1916 als solche ein; 1921 wurde das Gebäude von einer Ludwigshafener Schraubenfabrik übernommen.

Bild 22

Weisbrodmühle, jetzt v. Büren

Unterhalb dieser drei ältesten Mühlen wurden im 18. und 19. Jahrhundert zwei weitere Mühlen errichtet.
4. Die Büren'sche Mühle. Sie wurde i. J. 1748 von dem vormaligen Untermüller Jakob Grillo an der Stelle erbaut, wo “vorzeiten eine Sägmühle auf diesem

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Platz gestanden und das Wasserwehr noch daselbst befindlich". Die drei anderen Müller waren gegen die Errichtung einer neuen Mahlmühle, die Bürgerschaft aber dafür, “da das Wasser dort nie zugefriert" (Schwallenbrunnen!). So hatte die Gemeinde wenigstens eine Mühle, die das ganze Jahr hindurch betrieben werden konnte. Daß diese Mühle günstige natürliche Bedingungen für ihren Bestand hat, geht schon aus der Tatsache hervor, daß sie seit 1775 im Besitz einer Familie blieb. In diesem Jahr erwarb sie Johann Weisbrod mit den dazu gehörigen Äckern und Wiesen für 5000 fl. Von ihm erhielt sie auch den Namen Weisbrodmühle. Der letzte Weisbrod-Müller hatte keine männlichen Nachkommen, aber eine Tochter Agnesia, die sich mit Peter von Büren verheiratete. Die Mühle ist heute im Besitz der Familie von Büren.
5. Die Talmühle. Sie wurde i. J. 1824 von dem Heidelsheimer Bürger Anton Julier als Öhlmühle erbaut, später aber als Mahlmühle erweitert. Ihr letzter Müller war Friedrich Stuhlmüller, der sie in ein Mühlenbaugeschäft umwandelte.
Durch eine Belagerung konnte die Stadt in eine üble Lage geraten, da alle drei Mühlen außerhalb der Stadtmauern lagen. Am nächsten bei der Stadt lag die Mittelmühle, die durch ihre Insellage und das starke Wendeltor einigen Schutz hatte. Um zu ihr gelangen zu können, wurde die Stadtmauer durch das Törlein, das uns in alten Urkunden auch als “Ausfallpförtlein" begegnet, geöffnet. Einen anderen Zweck können wir uns für das Törlein nicht denken, da noch lange Zeit nur ein Fußweg und ein schmaler Steg über den Mühlbach aus der Stadt zur Mittelmühle führte.

6. Bürgerhäuser

Es sei hier der Versuch gemacht, wenigstens für die hervorragendsten alten Häuser einen Beitrag zu liefern, um den Eifer der Besitzer von Häusern mit schönem Fachwerk, alten Tür- und Fenstergewänden und ehrwürdigen Zeichen anzuspornen, daß sie ihnen besondere Pflege angedeihen lassen. 30jähriger Krieg und Orleans'scher Krieg haben in Heidelsheim fast alles vernichtet. Es wird kein Haus in Heidelsheim stehen, das vor das Jahr 1689 zurückreicht. Trotzdem sind drei Hauseingänge mit älteren Jahreszahlen vorhanden. In diesen Fällen (besonders Marktplatz Nr. 3 deutlich sichtbar) und anderen wurden die Türgewände, z. T. auch Fenstergewände, beim Wiederaufbau nach der Zerstörung wieder verwendet. Besondere Beachtung verdienen auch einige kunstvoll geschnitzte Türfassungen aus Holz. Sie sollten, wenn schadhaft, ausgebessert und nicht entfernt werden. Auch Sonnenuhren, die früher zahlreich an Hauswänden angebracht waren, sind der Erhaltung wert. Mit der Beschreibung der Bürgerhäuser beginnen wir in in der Altstadt:
Bahnhofstr. 11: Nachgotische Tür, Steingewände mit Kehlen, Stäben und Akanthus-abläufen, am Sturz 1594; war das Haus des Bürgermeisters Durst, dessen Scheune beim Tumult 1838 abbrannte.
Bahnhofstr. 13: Wappensteine mit 2 Sonnenblumen, 15. Jahrhundert, Steinmetzzeichen, Stein mit ausgehauenem Luchs (s. Sagen!).
Bahnhofstr. 14: Handwerkszeichen des Bäckers C. Weilbacher, 1788; einst Wirtschaft “Zum Zähringer Hof".
Bahnhofstr. 21 : Über Kellertüre E H Z T F (= Zutavern).

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Bild 23

Bahnhofstraße, Blick vom Kirchplatz, 1930

Bahnhofstr.25: Wappen mit Blume, 1731 und HIF (Hans Jörg Fink?),
Sonnenuhr.
Bahnhofstr. 27: Schönes Fachwerk, herrschaftliches Haus des Stadtschultheißen J. A. P. Paravicini, 1705, reich ausgestaltetes Schwanenwappen, interessanter Flur und Treppenaufgang.
Bahnhofstr. 29: Schlußstein mit Schaufel, 1791 und H Z (= Heinr. Zimmermann?).
Bahnhofstr. 30: Ehemals herrschaftliches Haus mit massivem Erdgeschoß und schönem Fachwerkoberstock, Fenstervorkragungen und vorspringendem Dach, 17. Jahrhundert.
Bahnhofstr. 35: 1792. I Z M (= Jörg Zimmermann?).

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Bahnhofstr. 36: Stattliches Haus, Fachwerk leider unter Verputz, schöner Inschriftstein mit Herz I H B 1728 A B B (Haus des Stadtschreibers Hübener?).
Bahnhofstr. 37: 1793 und N I (= Nikolaus Jäger), gut erhaltenes Fachwerk.
Bahnhofstr. 38: 17 M B 08 (= Marx Bauer, Gerichts verwandter).
Bahnhofstr. 41: Schreinerwerkzeuge (Zunftwappen), 1788 I E (= Josef Entz, Schreiner), Stein wurde beim Neubau wieder verwendet.
Wettgasse 17: Überdachter Treppenaufgang, Geländer aus der lutherischen Kirche, hölzerne Türumrahmung der Spätrenaissance, H E A B, Hufeisen, 1702.
Wettgasse: (Schmied Fischer.) Zweistöckiger, sehr regelmäßig konstruierter, gediegener Fachwerkbau über hohem Keller mit barocken Fensterumrahmungen, Schmiedeschild, Küferwappen des Joh. Kuchemann, Inschrift mit Hausspruch, 1719.
Kirchgasse l: H P 1787 (= Heinrich Petri, Schlossermeister).
Schlittengasse 1: Türgewände aus Holz in Spätrenaissanceform, C I G (= Christian Goll) 1699 E L A B

 

Bild 24

Bahnhofstraße Brettener Straße
 

Vorstadt:
Bahnhofstr. l:
Über massivem Erdgeschoß ein tüchtiger, regelmäßiger Fachwerkbau, früher Gasthaus zum Goldenen Löwen, heute geteilt, enthielt die Post, H I S (= Hans Jörg Schroth) 1698 C I G.
Bahnhofstr. 6: Erbaut 1785 von Marx Bauer, früher Judenwirtschaft, bis vor wenigen Jahren Postamt. Dahinter die Scheune der früheren “Krone", erbaut 1785 von Engelhard Spitz.
Bahnhofstr. 10: Schlußstein mit Runenzeichen, 1781, in einem Herz F P Z (= Peter Ziegler). Marktplatz 3: Teil des Hauses aus dem 16. Jahrhundert, steinerne Tür mit Renaissanceabläufen, im Sturz ein Blendbogen mit schildhaltender Figur mit Namenszug und Gans, an den Seiten Löwenköpfe, 1587

4 Heidelsheim

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Bild 25

Handwerkerzeichen und Inschrift am Kuchemann-Haus

Marktplatz 12: Haus des Stadtschultheißen Ludwig Eccoffy, über dem barocken Türsturz: Pax domui Eccofeianae, alter Fachwerkgiebel, Gewölbeanfänger einer ehemaligen Laube, erbaut etwa 1720, früher Gasthaus “Goldener Adler".
Marktplatz 19: Türgewände in nachgotischer Form mit reicher Kehl- und Rund-stabverschneidung, am Sturz 1596, Steinmetzzeichen.
Brettener Str. 5: Küferwappen, erbaut 1787 durch Georg Jäger, Küfermeister.
Bruchsaler Str. 1: I 2 D (= Zudaverna), 1798.

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Bild 26


Ecke des Marktplatzes bei der “Kanne"

 

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Bruchsaler Str. 3: Großes Fachwerkhaus, Fachwerk unter Verputz, stockwerkmäßig geteilt, Anfang 18. Jahrhundert.
Bruchsaler Str. 5: Jahreszahl 1792.
Bruchsaler Str. 17: Am Türsturz Johannes 1787 Amend, großer Bauernhof, beim Bruchsaler Tor.
Bruchsaler Str. 19: Johannes 1789 Amend.
Bruchsaler Str. 23: Inschrift: Jakob Julier 1783.
Bruchsaler Str. 26: Am Torbogen: G I FBM (Färbermeister?), 1794.
Bruchsaler Str. 27: Am Torbogen: Herz, M G (= Marx Goll?), 1788.
Bruchsaler Str. 35: Inschrift: Adam Zaiß 1868, früher Straußwirtschaft.


Bild 27

Beim Stadttor -
Am Marktplatz
 

Die Namenszeichen wurden auf Grund von Bürgerregistern, Häuserverzeichnissen und Kirchenbucheinträgen zu entziffern versucht. Ein Teil der verzeichneten Häuser ist in “Kunstdenkmäler des Gr. Baden" beschrieben. Außer den angeführten Bürgerhäusern weist Heidelsheim noch eine weitere große Anzahl von erhaltungswerten und das Stadtbild zierenden Gebäuden auf, die es wert wären, in Bild und Wort hier aufgenommen zu werden. Sie sind aber auch wert, gepflegt zu werden, damit sich ihr Gesicht nicht ganz verdunkelt und verdüstert und die Maurer mit ihren Werkzeugen kommen müssen, um es einzureißen. Wer denkt nicht an Hebbels Gedicht “Das alte Haus", an das Haus, zu dem der Maurer zum Abbruch schreiten mußte?

      Nun schweigt es still, das alte Haus.
      Mir aber ist's, als schritten
      die toten Väter all' heraus,
      um für ihr Haus zu bitten,
      und auch in meiner eignen Brust,
      wie ruft so manche Kinderlust:
      Laß stehn das Haus, laß stehn!

 

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