Heidlsa Mundart:
Zu den besonderen Wesenszügen, die jedem Dorf und jeder Gemeinde ein eigenes Gesicht verleihen, gehört auch die Mundart der Bewohner. Gewiß treffen wir im Kraichgau eine bestimmte gleichartige Mundart an, aber in jeder Gemeinde treten wieder gewisse Färbungen in der Aussprache und im Gebrauch bestimmter Ausdrücke auf. Hier klingt die Sprache breit und behäbig, dort etwas derber und rauher, hier treten die Konsonanten deutlich hervor, dort erhalten manche Hellaute eigene Färbungen.
So ergeben sich Unterschiede beispielsweise zwischen Heidelsheim und Helmsheim oder Oberacker. Sagt man hier für ich habe "i häb", so sagt man dort "i han". Karl Krieger zählt in seinem verdienstvollen Werk "Kraichgauer Bauerntum" eine große Anzahl von Mundartformen aus dem Kraichgau auf, die auch für Heidelsheim zutreffen. Eine kleine Auswahl aus der Heidelsheimer Mundart sei hier vorgenommen, ohne dabei in große sprachliche Erörterungen einzutreten. In vielen Ausdrücken ist der westliche Einfluß deutlich erkennbar. Die Nachbarschaft mit Frankreich und die vielen Truppendurchzüge haben zweifellos in der Mundart ihre Eindrücke hinterlassen.
Aus der Welt des Bauern stammen wohl die meisten Ausdrücke und mundartlichen Formen, Ausdrücke, deren Verwandtschaft mit der Schriftsprache schwer aufzuweisen ist. Teilweise handelt es sich um Reste des Sprachgutes aus der Frühzeit unserer Vorfahren. Mit hischt und hot, huf, hat und oha fährt der Bauer aufs Feld. Beim Zackern gibt's eine Owanne (am Anfang des Ackers). Hier hat einer ein Iddem (kleines Stück Land), dort bleibt ein Jo (Stück von einem Acker) liegen. Der Pflug hat einen Rollzinken (Handhabe), beim Schneiden gibt's einen Sammet (auf den Boden gelegte Fruchtreihe). Der Hutsch (Fohlen) und das Reiwele (junges Stück Vieh) werden eingewöhnt. Jetzert und jetzund wird Mistsutte geführt und nohrd (nachher) werden Grummbiere (Kartoffeln) geholt. Die einen rackern (plagen) sich ab, die andern wuhle (erraffen), wieder andere aber bossle (Liebhaberei treiben). Der kujeniert (drangsaliert) sein Weib, jener sein Vieh, der ist ein Hoschbes (närrischer Kerl), jener ist olwer oder ein Bullde (roher Mensch), der ein Drassem, jener ein Baddescher (Windbeutel). Man sagt auch: "Der Teufel hat ihn am Drassem" (beim Weber ein Bündel Fäden).
Dort stehen ein paar Weiber und dale (schwätzen) kundewierlich (immerwährend). Die einen sagen abba, die andern awoll, wenn sie etwas verneinen. Es gibt gattiche (taugliche) und iwerzwerche (überspannte) Leute, manche sind perforsch (keck, beherzt), andere oidärmlich (ungeschickt).
Am Waldrand haben die Ehlmese (Ameisen) einen Haufen Tannennadeln zusammengetragen, eine Atzel (Elster) läßt ihre Schreie ertönen. Die Quadde (Engerlinge) sind große Schädlinge. Der Gärret (männliche Gans) verfolgt die Kinder. In sumpfigen Gräben treiben sich die Grotte (Kröten) und Regemolle (Feuersalamander) herum. Man nennt aber auch den edelsten Körperteil, den Kopf, gelegentlich den Molle.
Wenn der Acker abgeerntet ist, kommen die Kinder und stupfle (Ähren, Kartoffeln, Obst auflesen). Beim Nachhausetragen des im Walde gelesenen Holzes schollere die Kinder (ein Bündel ablegen und das nächste holen). Das Holzbündel drückt in die Ankl (Nacken). Hehlings (heimlich) wird die Pfohlhob (Pfahlhaue) benützt, was jedoch strafbar ist. Beim Holzhacken gibt es ab und zu einen Schabbesklotz (die Juden legten ein großes Stück Holz ins Feuer, daß es über den Sabbath anhielt). Glotze sagt man aber auch für neugierige Frauen.
Nach getaner Arbeit versammelt man sich beim Zsunnere (Vesper zwischen den Hauptmahlzeiten). Am Abend wird das Ihmes eingenommen. Den Kindern schmeckt das Traumes (Brotaufstrich) aus Konnstreiwlen (Johannisbeeren) gut. Derselbe Ausdruck für Johannes wiederholt sich bei Konnsdag (Johannestag) und bei Konnsvögelen (Johanneskäfer). In Kleidern oder Anzügen, die zu eng und zu kurz sind, sieht einer bschnodde aus.
In Heidlsa wais koi Kind, wu der Gekentaler Wald, der Stübenmehl oder der Königssee isch; frogsch se awa noch'm Gegglda, Schdimehl odda Kinnchasee, donn weise se dia bschdimmd da richtich Weg. Am Katzedermle (Katzenturm) un Diebsdorn (Diebsturm), am Linseverdl un am Konzlberg kenne se jedes Gäßle un jeden Winkl, do kenne se sich aus wie in ihrem Hosesack. Do schbiele se Lubbat un Vaschdegerles. Wonn de Dregg am ärgschde isch, schbiele se Gleggerles. D' greschd Glegger, des isch de Schugger. Henn se Schtegge, nohrd schbiele se Terniles. Des gehd als a paa Woche, un uff oimol isch's widda weg, so wie's kumme isch. Wer uf seim Schlidde odder Rad gut um alle Ecke rum kummt, kon gut reizle.
So schwäzt ma in Heidlsa zitter 100 un noch mehna Johr. Un wann oiner anerschd schwäzt, donn isch's en Schdädter, en Fremmer odda Neigfliggder, die kennt ma glei.